Sonntagspublikum vor Bühnen von Joachim Ringelnatz

Sonntagskinder sind Arbeitsfreie,
Ungewöhnte. – Der Künstler verzeihe
Ihnen ihr fremdes Geschau.
Sonntagskinder sind plötzliche Fürsten,
Glücklich an Sonne, Dünnbier und Würsten.
Sonntagskinder sind himmelblau.
 
Kommen erwartend, spaziergangsmüde,
Niemals intolerant oder prüde,
Aber immer um Jahre zurück;
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Merken es nicht, wenn die Rampenscheinwelt
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Sich auf ihre Müdigkeit einstellt,
12 
Schlafen sich nachtweg ins Wochentagsglück.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24 KB)

Details zum Gedicht „Sonntagspublikum vor Bühnen“

Anzahl Strophen
2
Anzahl Verse
12
Anzahl Wörter
52
Entstehungsjahr
1929
Epoche
Moderne,
Expressionismus

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Sonntagspublikum vor Bühnen“ stammt von Joachim Ringelnatz, einem deutschen Schriftsteller und Kabarettist, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, genauer zwischen dem Ende des Kaiserreichs und der NS-Zeit, wirkte.

Auf den ersten Eindruck wirkt das Gedicht heiter und leicht, es erzeugt Bilder von entspannten, glücklichen Menschen, die ihren Sonntag genießen. Die Atmosphäre wirkt entspannt und lebensfroh.

Inhaltlich geht es in „Sonntagspublikum vor Bühnen“ um das Publikum, das an einem Sonntag die damaligen Theater und wohl auch Varieté-Vorstellungen besucht. Das lyrische Ich betrachtet diese sogenannten „Sonntagskinder“ mit liebevoller Ironie. Diese sind in den Augen des lyrischen Ichs „Arbeitsfreie“, „fremdes Geschau“ Gewöhnte, „plötzliche Fürsten“, die sich an einfachen Dingen wie Sonne, Dünnbier und Würsten erfreuen. Es handelt sich dabei um einfache Leute, die sich auf die Vorstellung freuen und damit eine Pause vom Alltag nehmen. Sie sind nicht kritisch oder voreingenommen, sondern offen und wechseln in eine traumhafte Scheinwelt, die sie ihren alltäglichen Sorgen vergessen lässt.

Das Gedicht ist in zwei Strophen mit je sechs Versen unterteilt, eine klassische Form. Die Sprache ist einfach gehalten, zugleich reich an Metaphern und Vergleichen. Durch die Betonung der einfachen Freuden und der leichten Ausgelassenheit wird eine Atmosphäre der Unbeschwertheit und der Freude erzeugt. Trotz der liebevollen Ironie in der Darstellung des Publikums, ist das Gedicht voller Wertschätzung für diese Menschen, die sich mit einfachen Mitteln Glück und Zufriedenheit verschaffen.

Das Gedicht ist somit eine launige Darstellung des Vergnügens einfacher Leute, die ihren freien Tag genießen. Es zeichnet ein liebevolles Bild des „kleinen Mannes“, der in der Hektik des Alltags seine Freude finden kann. Dabei zeigt es großes Verständnis und Respekt für diese Menschen.

Weitere Informationen

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Sonntagspublikum vor Bühnen“ des Autors Joachim Ringelnatz. Geboren wurde Ringelnatz im Jahr 1883 in Wurzen. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1929. In Ernst Rowohlt Verlag, Berlin ist der Text erschienen. Das Gedicht lässt sich anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her den Epochen Moderne oder Expressionismus zuordnen. Der Schriftsteller Ringelnatz ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen. Das Gedicht besteht aus 12 Versen mit insgesamt 2 Strophen und umfasst dabei 52 Worte. Joachim Ringelnatz ist auch der Autor für Gedichte wie „Abschied von Renée“, „Abschiedsworte an Pellka“ und „Afrikanisches Duell“. Zum Autor des Gedichtes „Sonntagspublikum vor Bühnen“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 560 Gedichte vor.

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