Sonette von Louise Otto-Peters
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O haltet mich mit Bitten nicht zurücke |
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Wenn ich im Sehnen nach der Freiheit Lichte |
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Zu hohen Zielen meine Blicke richte, |
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Von keinem Glück weiß als vom Völkerglücke. |
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Mir ward einmal die Weisung vom Geschicke |
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Daß ich im Schaun prophetischer Gesichte |
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Dem Dienst der Zukunft freudig mich verpflichte, |
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Von keinem Glück weiß als vom Völkerglücke. |
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Ihr Glücklichen! Ihr mögt in Eurem Frieden |
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Den Gatten weihn zum Kampf für’s Vaterland |
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In Euren Kindern Streiter ihm erziehen. |
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Ich aber habe nichts ihm, nichts zu bieten |
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Als meiner Lieder kühnen Freiheitsbrand, |
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Das Einzige was mir mein Gott verliehen. |
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II. |
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Wie jener Maid im schönen Frankenlande |
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Die heilge Jungfrau einstens ist erschienen |
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Und sie vermocht ihr ewig treu zu dienen, |
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Ein zartes Weib im kriegrischen Gewande: |
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So trat zu mir befreit vom Erdenbande |
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Die Muse mit den götterselgen Mienen, |
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Hat mich vermocht ihr ewig treu zu dienen, |
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Gab mir den Weihekuß zum Bundespfande. |
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So will auch ich die heilge Fahne schwingen |
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Und der Begeistrung Oriflamme tragen, |
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Mit Liederschwertern unsre Feinde schlagen! |
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Die reine Magd kann jegliches vollbringen: |
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Der höchsten Kunst hab ich mich ganz ergeben, |
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Treu bis zum Tode durch das ganze Leben! – |
Details zum Gedicht „Sonette“
Louise Otto-Peters
9
29
190
1840-1850
Realismus
Gedicht-Analyse
Das vorgelegte Gedicht stammt von Louise Otto-Peters, eine deutsche Schriftstellerin und Frauenrechtlerin, die im 19. Jahrhundert gelebt hat. Sie ist eine der bedeutenden Figuren der ersten Frauenbewegung in Deutschland.
Beim ersten Lesen fällt auf, dass das Gedicht von einer starken, individuellen Stimme eines lyrischen Ichs geprägt ist, das mit Entschlossenheit und Hingabe seine eigene Rolle in der Welt definiert. Inhaltlich handelt das Gedicht von einem starken Wunsch nach Freiheit und dem Streben nach höheren Zielen im Dienst der Zukunftsorientierung. Das lyrische Ich äußert unmissverständlich, dass es sich dem Glück der Allgemeinheit verschrieben hat, das lyrische Ich beschreibt dieses als das „Völkerglück“.
Das lyrische Ich stellt klar, dass es seine Pflicht und Aufgabe sieht, zum Wohl der Zukunft und der Gemeinschaft beizutragen, und dass es in seiner eigenen Art, nämlich durch seine Lieder der Freiheit, einen Beitrag leisten kann. Das Gedicht stellt das lyrische Ich als jemanden dar, der eine besondere Berufung in seinem Leben hat - in Anspielung auf Jeanne d'Arc, „jene Maid im schönen Frankenlande“, die als Ikone des Widerstands und der Heldentümer gilt, ist das lyrische Ich bereit, als „ein zartes Weib“ in „kriegerischem Gewand“ für ihre Überzeugungen einzustehen.
Formal ist das Gedicht in neun Strophen unterteilt, von denen die Mehrzahl jeweils vier Verse umfasst. Die dritte, vierte, achte und neunte Strophe haben nur drei Verse. In jedem Vers findet man ein Endreim, welcher vermuten lässt, dass es sich um ein Sonett handelt. Die Sprache ist bildhaft, metaphorisch und pathetisch, typisch für die literarische Epoche des 19. Jahrhunderts, in der expressive und emotional aufgeladene Ausdrucksformen verbreitet waren.
Insgesamt ist das Gedicht von Louise Otto-Peters ein persönliches Bekenntnis zur Rolle der Dichterin als Fürsprecherin für das Wohl der Gemeinschaft und der Freiheit. Es verbindet individuelles Streben und gesellschaftliches Engagement auf eindrucksvolle Weise.
Weitere Informationen
Die Autorin des Gedichtes „Sonette“ ist Louise Otto-Peters. 1819 wurde Otto-Peters in Meißen geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1850. Erscheinungsort des Textes ist Leipzig. Das Gedicht lässt sich anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten der Autorin her der Epoche Realismus zuordnen. Die Zuordnung der Epoche ist ausschließlich auf zeitlicher Basis geschehen. Bitte überprüfe unbedingt die Richtigkeit der Angaben bei Verwendung. Das 190 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 29 Versen mit insgesamt 9 Strophen. Weitere bekannte Gedichte der Autorin Louise Otto-Peters sind „An Georg Herwegh“, „An Ludwig Börne“ und „An Richard Wagner“. Zur Autorin des Gedichtes „Sonette“ haben wir auf abi-pur.de weitere 106 Gedichte veröffentlicht.
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Zum Autor Louise Otto-Peters sind auf abi-pur.de 106 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.
