Sommerabend von Rainer Maria Rilke

Die große Sonne ist versprüht,
der Sommerabend liegt im Fieber,
und seine heiße Wange glüht.
Jach seufzt er auf: »Ich möchte lieber …«
Und wieder dann: »Ich bin so müd …«
 
Die Büsche beten Litanein,
Glühwürmchen hangt, das regungslose,
dort wie ein ewiges Licht hinein;
und eine kleine weiße Rose
10 
trägt einen roten Heiligenschein.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (23.7 KB)

Details zum Gedicht „Sommerabend“

Anzahl Strophen
2
Anzahl Verse
10
Anzahl Wörter
52
Entstehungsjahr
nach 1891
Epoche
Moderne

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Sommerabend“ wurde von Rainer Maria Rilke geschrieben, einem bedeutenden Dichter des Symbolismus und der literarischen Moderne, der von 1875 bis 1926 lebte.

Beim ersten Lesen fällt auf, dass Rilke eine üppige und bildhafte Sprache verwendet, um eine stimmungsvolle und beinahe unwirkliche Atmosphäre eines Sommernachmittags zu erzeugen. Motive von Licht, Hitze, Natur und Müdigkeit dominieren das Gedicht und erzeugen vielfältige Assoziationen.

Inhaltlich scheint das lyrische Ich das Ambiente eines heißen Sommerabends zu beschreiben. Die Worte „Ich bin so müd …“ könnten auf das Gefühl von Erschöpfung und melancholischer Wehmut hinweisen, das häufig am Ende eines langen Tages oder im übertragenen Sinne am Ende eines Lebensabschnitts auftritt. „Ich möchte lieber …“ lässt hingegen Raum für Interpretationen; es könnten unerfüllte Wünsche oder Sehnsüchte gemeint sein. Die zweite Strophe folgt der lyrischen Beschreibung der Natur in der Dämmerung; das Bild der „weißen Rose“ mit einem „roten Heiligenschein“ könnte Symbole der Reinheit und Heiligkeit darstellen.

Formal besteht das Gedicht aus zwei Fünfzeilen-Strophen, die aus freien Versen bestehen, also ohne festen Reim oder Rhythmus. Die Wortwahl und Bildsprache ist intensiv und bildgewaltig und charakteristisch für Rilkes symbolistischen Stil. Motive wie die „große Sonne“, „heiße Wange“, „Büsche“ oder „Glühwürmchen“ laden zu metaphorischen Deutungen ein. Zudem benutzt Rilke eine emotionale und expressive Sprache („im Fieber“, „seufzt“), um dem Sommerabend eine menschenähnliche Persona zu geben und den emotionalen Zustand des lyrischen Ichs zu transportieren.

Zusammengefasst schafft das Gedicht eine Aufnahme eines scheinbar alltäglichen, jedoch in seinem Inneren hoch emotionalen und metaphorisch beladenen Moments eines Sommerabends. Es ist ein hervorragendes Beispiel für Rilkes Fähigkeit, mit Worten Bilder zu erzeugen und tieferliegende Gefühle und Gedanken auszudrücken.

Weitere Informationen

Rainer Maria Rilke ist der Autor des Gedichtes „Sommerabend“. Im Jahr 1875 wurde Rilke in Prag geboren. Zwischen den Jahren 1891 und 1926 ist das Gedicht entstanden. Frankfurt am Main ist der Erscheinungsort des Textes. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht der Epoche Moderne zuordnen. Der Schriftsteller Rilke ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das vorliegende Gedicht umfasst 52 Wörter. Es baut sich aus 2 Strophen auf und besteht aus 10 Versen. Weitere Werke des Dichters Rainer Maria Rilke sind „Adam“, „Advent“ und „Allerseelen“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Sommerabend“ weitere 338 Gedichte vor.

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