So wie ein Mensch, am trüben Tag, der Sonne vergißt[1] von Christian Morgenstern

So wie ein Mensch, am trüben Tag, der Sonne
vergisst, –
sie aber strahlt und leuchtet unaufhörlich, –
so mag man Dein an trübem Tag vergessen,
um wiederum und immer wiederum
erschüttert, ja geblendet zu empfinden,
wie unerschöpflich fort und fort und fort
Dein Sonnengeist
uns dunklen Wandrern strahlt.
Arbeitsblatt zum Gedicht
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Details zum Gedicht „So wie ein Mensch, am trüben Tag, der Sonne vergißt[1]“

Anzahl Strophen
1
Anzahl Verse
9
Anzahl Wörter
47
Entstehungsjahr
1914
Epoche
Moderne

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „So wie ein Mensch, am trüben Tag, der Sonne vergisst“ wurde von dem deutschen Dichter und Schriftsteller Christian Morgenstern verfasst, der von 1871 bis 1914 lebte. Die Zeit, in der das Gedicht vermutlich geschrieben wurde, fällt also in die Epoche des Symbolismus bzw. der Jahrhundertwende.

Der erste Eindruck des Gedichts ist eher melankolisch und nachdenklich. Es geht um das Vergessen, um Dunkelheit und Verlust, aber auch um Hoffnung und Erleuchtung.

Im Inhaltlichen geht es darum, dass das lyrische Ich die Erfahrung beschreibt, dass es leicht und menschlich ist, wichtige Dinge oder Personen an trüben, also schlechten oder dunklen, Tagen zu vergessen. Die Sonne steht dabei als Metapher für etwas Positives und Erhellendes, etwas das durch seine Abwesenheit den Tag trüb macht. Aber diese Sonne, also jenes Positive, leuchtet und strahlt unaufhörlich weiter, selbst wenn sie vergessen wird. Der Mensch kann also immer wieder aufs Neue entdecken, wie diese positive Kraft fortwährend strahlt, und davon sogar geblendet, das bedeutet überwältigt oder erstaunt, sein.

Die Form des Gedichts ist auffallend; es besteht nur aus einer einzigen neunzeiligen Strophe. Es ist keine klassische Form wie das Sonett und auch kein regelmäßiges Reimschema wird eingehalten. Die verse haben unterschiedliche Längen, was einem freien Rhythmus entspricht.

Die Sprache ist metaphorisch und bildlich. Die Sonne wird als „Sonnengeist“ bezeichnet und wir Menschen sind „dunkle Wanderer“, die sich auf einer Reise befinden. Auch das fortwährende Strahlen der Sonne wird in Worte gefasst, wie „unerschöpflich fort und fort und fort“. Es geht um den Kontrast von Licht und Dunkelheit, von wissen und vergessen, von sehen und geblendet sein. Durch die Wortwahl wird eine Atmosphäre von Melancholie, aber auch von Hoffnung erzeugt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Morgenstern in seinem Gedicht die Einstellung vergegenwärtigt, dass wir Menschen zwar zu Vergessen neigen, aber auch die Fähigkeit besitzen, immer wieder aufs Neue zu erkennen und zu staunen.

Weitere Informationen

Der Autor des Gedichtes „So wie ein Mensch, am trüben Tag, der Sonne vergißt[1]“ ist Christian Morgenstern. Der Autor Christian Morgenstern wurde 1871 in München geboren. Das Gedicht ist im Jahr 1914 entstanden. München ist der Erscheinungsort des Textes. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her kann der Text der Epoche Moderne zugeordnet werden. Der Schriftsteller Morgenstern ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das Gedicht besteht aus 9 Versen mit nur einer Strophe und umfasst dabei 47 Worte. Christian Morgenstern ist auch der Autor für Gedichte wie „Brüder!“, „Bundeslied der Galgenbrüder“ und „Da nimm. Das laß ich dir zurück, o Welt“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „So wie ein Mensch, am trüben Tag, der Sonne vergißt[1]“ weitere 189 Gedichte vor.

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