So kann ein Wiedersehen sein ... von Joachim Ringelnatz
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So kann ein Wiedersehn sein, |
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Daß Augenpaare tief einander messen. |
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„Lang, lang ist’s her. Und doch |
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Hast du mich nicht – konnt ich dich nicht – |
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Vergessen.“ |
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Froh war es einst. – Hat wenig sich bewährt. – |
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Viel starb vom Wenig. – Alte Bäume rauschen |
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Und neigen sich vornander ernst und lauschen |
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Wie Kinder einem Märchen, aber abgeklärt. |
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Denn was geschah, das muß wohl so geschehn sein. |
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Nun ist’s, als rückten wir, ohn Worte, ohne Tat, |
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Enger zusammen, wie zu einem Skat, |
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Aber erlebt, erliebt! – So soll ein Wiedersehn sein. |
Details zum Gedicht „So kann ein Wiedersehen sein ...“
Joachim Ringelnatz
4
13
87
1934
Moderne,
Expressionismus
Gedicht-Analyse
Das Gedicht „So kann ein Wiedersehen sein ...“ wurde von dem deutschen Schriftsteller und Kabarettist Joachim Ringelnatz verfasst, der von 1883 bis 1934 lebte. Somit kann dieses Werk in das frühe 20. Jahrhundert eingeordnet werden, eine Zeit, die von großen gesellschaftlichen Umschwüngen und kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt war.
Der erste Eindruck des Gedichts ist, dass es sich um eine tiefgründige und melancholische Betrachtung eines Wiedersehens nach langer Trennung handelt. Das lyrische Ich beschreibt Gefühle der Wiedererkennung und des Innehaltens, die von tiefer Nostalgie und einer Spur von Bedauern geprägt zu sein scheinen.
Einfach ausgedrückt, thematisiert das Gedicht den Prozess des Wiedersehens zweier Personen nach einer langen Zeitspanne. Das lyrische Ich bringt zum Ausdruck, dass trotz der langen Trennung nie eine Vergessenheit eingetreten ist. Zudem wird reflektiert, dass das, was einst Grund zum Glück bot, im Laufe der Zeit seinen Glanz verloren hat. Schlussendlich äußert das lyrische Ich den Wunsch nach einem Wiedersehen, das von tiefer Vertrautheit und erneuter emotionaler Nähe geprägt ist.
Formal besteht das Gedicht aus vier Strophen mit unterschiedlicher Versanzahl, was seine Struktur interessant und unvorhersehbar macht. Es wird kein konkretes Reimschema verwendet, was den Fokus des Lesers auf den Inhalt lenkt. Die Sprache ist klar und präzise, aber dennoch bildreich und emotional. Ringelnatz verwendet Metaphern wie „Alte Bäume rauschen und neigen sich vornander ernst und lauschen“ um die Tiefe der Beziehung und die Vergänglichkeit der Zeit zu veranschaulichen. Ebenso hervorzuheben ist der letzte Vers, der mit seiner dramatischen Betonung auf den Worten „erlebt, erliebt“ das ganze Gewicht des erlebten und geliebten Lebens in das anvisierte Wiedersehen hineinträgt.
Weitere Informationen
Joachim Ringelnatz ist der Autor des Gedichtes „So kann ein Wiedersehen sein ...“. Ringelnatz wurde im Jahr 1883 in Wurzen geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1934. Der Erscheinungsort ist Berlin. Das Gedicht lässt sich anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her den Epochen Moderne oder Expressionismus zuordnen. Bei Ringelnatz handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen. Das Gedicht besteht aus 13 Versen mit insgesamt 4 Strophen und umfasst dabei 87 Worte. Die Gedichte „Abgesehen von der Profitlüge“, „Abglanz“ und „Abschied von Renée“ sind weitere Werke des Autors Joachim Ringelnatz. Zum Autor des Gedichtes „So kann ein Wiedersehen sein ...“ haben wir auf abi-pur.de weitere 560 Gedichte veröffentlicht.
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