So gut wie schlecht von Joachim Ringelnatz
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Menschen kenne ich: denen es gut geht, |
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Die sich aber auch Mühe geben, |
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Anständig nach innen und außen zu leben. |
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Da ihnen das gut steht |
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Und sie repräsentable Erscheinungen |
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Sind, hört man ihre Meinungen |
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Mit Behagen. — |
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Bis man erstaunt entdeckt, |
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Daß sie keine andre Meinung vertragen. — |
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Hat ein Vögelchen erschreckt |
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Sich geduckt im Busch versteckt; |
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Putzte traurig, putzte stumm |
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Lange noch an sich herum. |
Details zum Gedicht „So gut wie schlecht“
Joachim Ringelnatz
3
13
64
1932
Moderne,
Expressionismus
Gedicht-Analyse
Das Gedicht, um das es hier geht, stammt von Joachim Ringelnatz, einem deutschen Schriftsteller und Kabarettisten, der von 1883 bis 1934 lebte. Den zeitlichen Kontext seiner Werke kann man der literarischen Epoche der Weimarer Republik zuordnen, die von 1918 bis 1933 andauerte. Es war eine Zeit großer sozialer, politischer und kultureller Veränderungen in Deutschland, die Ringelnatz in seiner Lyrik deutlich zum Ausdruck brachte.
Auf der ersten Betrachtung wirkt das Gedicht recht direkt und pointiert. Es scheint eine starke Kritik an bestimmten Menschentypen zu sein, die sich selbst repräsentabel präsentieren, deren Toleranz jedoch zu Wünschen übrig lässt.
Inhaltlich spricht das lyrische Ich zuerst über Menschen, die erfolgreich und anständig sind und sowohl innere als auch äußere Werte aufweisen. Sie sind angesehene Persönlichkeiten und ihre Meinungen werden gerne gehört. Doch dann kommt die Wende: Diese Menschen sind intolerant gegenüber anderen Meinungen. In einer anschaulichen Metapher – ein erschrecktes Vögelchen, das sich versteckt und sich stumm putzt – illustriert das Gedicht die Menschen, die sich vor dem dogmatischen Urteil dieser scheinbar perfekten Personen verstecken müssen.
Die Form und die Sprache des Gedichts sind recht schlicht und direkt. Es besteht aus drei Strophen mit unterschiedlicher Länge und folgt keinem bestimmten Reimschema. Die Metapher des Vögelchens zum Ende hin bietet einen starken Kontrast zu den direkten und unverblümten Beschreibungen der Menschen zu Beginn des Gedichts. Die einfache Sprache und die pointierten Aussagen tragen zur Prägnanz der Botschaft des Gedichts bei, die auf eine bissige Kritik an Intoleranz und Dogmatismus hindeutet.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ringelnatz in diesem Gedicht klar Stellung bezieht gegen eine Scheinheiligkeit und Intoleranz in der Gesellschaft seines Zeit, die andere marginalisiert und einschüchtert. Mit scharfer Beobachtungsgabe und einer präzisen Sprache bringt er seine Kritik zum Ausdruck und fordert gleichzeitig zu mehr Empathie und Toleranz auf.
Weitere Informationen
Joachim Ringelnatz ist der Autor des Gedichtes „So gut wie schlecht“. Geboren wurde Ringelnatz im Jahr 1883 in Wurzen. 1932 ist das Gedicht entstanden. Der Erscheinungsort ist Berlin. Eine Zuordnung des Gedichtes zu den Epochen Moderne oder Expressionismus kann aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Ringelnatz ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen. Das Gedicht besteht aus 13 Versen mit insgesamt 3 Strophen und umfasst dabei 64 Worte. Weitere bekannte Gedichte des Autors Joachim Ringelnatz sind „Alone“, „Alte Winkelmauer“ und „Alter Mann spricht junges Mädchen an“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „So gut wie schlecht“ weitere 560 Gedichte vor.
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