Silvester bei den Kannibalen von Joachim Ringelnatz

Am Silvesterabend setzen
Sich die nackten Menschenfresser
Um ein Feuer, und sie wetzen
Zähneklappernd lange Messer.
 
Trinken dabei — das schmeckt sehr gut —
Bambus-Soda mit Menschenblut.
 
Dann werden aus einem tiefen Schacht
Die eingefangenen Kinder gebracht
Und kaltgemacht.
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Das Rückgrat geknickt,
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Die Knochen zerknackt,
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Die Schenkel gespickt,
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Die Lebern zerhackt,
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Die Bäuchlein gewalzt,
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Die Bäckchen paniert,
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Die Zehen gesalzt
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Und die Äuglein garniert.
 
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Man trinkt eine Runde und noch eine Runde.
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Und allen läuft das Wasser im Munde
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Zusammen, ausnander und wieder zusammen.
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Bis über den feierlichen Flammen
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Die kleinen Kinder mit Zutaten
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Kochen, rösten, schmoren und braten.
 
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Nur dem Häuptling wird eine steinalte Frau
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Zubereitet als Karpfen blau.
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Riecht beinah wie Borchardt-Küche, Berlin,
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Nur mehr nach Kokosfett und Palmin.
 
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Dann Höhepunkt: Zeiger der Monduhr weist
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Auf zwölf. Es entschwindet das alte Jahr.
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Die Kinder und der Karpfen sind gar.
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Es wird gespeist.
 
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Und wenn die Kannibalen dann satt sind,
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Besoffen und überfressen, ganz matt sind,
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Dann denken sie der geschlachteten Kleinen
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Mit Wehmut und fangen dann an zu weinen.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.5 KB)

Details zum Gedicht „Silvester bei den Kannibalen“

Anzahl Strophen
7
Anzahl Verse
35
Anzahl Wörter
169
Entstehungsjahr
1931
Epoche
Moderne,
Expressionismus

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Silvester bei den Kannibalen“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Joachim Ringelnatz. 1883 wurde Ringelnatz in Wurzen geboren. 1931 ist das Gedicht entstanden. Erscheinungsort des Textes ist Berlin. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht den Epochen Moderne oder Expressionismus zuordnen. Bei dem Schriftsteller Ringelnatz handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen. Das vorliegende Gedicht umfasst 169 Wörter. Es baut sich aus 7 Strophen auf und besteht aus 35 Versen. Die Gedichte „Abschied von Renée“, „Abschiedsworte an Pellka“ und „Afrikanisches Duell“ sind weitere Werke des Autors Joachim Ringelnatz. Zum Autor des Gedichtes „Silvester bei den Kannibalen“ haben wir auf abi-pur.de weitere 560 Gedichte veröffentlicht.

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