Sicut urinata ligna von Andreas Gryphius

DAs Holtz / das für dir grün’t / wird zu der Glut erkohren
Die krumme Sichel wird auff reiffe Saat gewetzt.
Die Preß’ ist vor die Traub / ein Löwe wird gehetzt.
Der Vogel hat im flug / offt seinen flug verlohren.
Man wird mit dem beding’ auff diese Welt gebohren /
Zu tragen / was der Schluß deß Himmels auffgesetzt.
Wer sterblich / wird von dem / was sterben heist / verletzt.
Der Tod vnd Fall hat sich auff Fleisch vnd stehn verschworen.
Gott stellt sich in die Erd’ auff Creutz und Geisseln eyn.
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Der Mutter Leib gebahr in Armuth ihn zur Pein.
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Er schloß in höchster Angst das schmertzen volle zagen.
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Was sucht ein blosser Mensch / wenn JEsus Dornen trägt /
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Begehrt der Kriegsman Rast / wenn man den Fürsten schlägt
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Der Feld Herr / schau / geht vor / was sol der Knecht nicht wagen?
Arbeitsblatt zum Gedicht
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Details zum Gedicht „Sicut urinata ligna“

Anzahl Strophen
1
Anzahl Verse
14
Anzahl Wörter
135
Entstehungsjahr
1658
Epoche
Barock

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Sicut urinata ligna“ stammt von Andreas Gryphius, einem wichtigen Vertreter des deutschen Barock. Das Werk entstammt dem 17. Jahrhundert, einer Zeit, die durch religiöse Konflikte und kriegerische Auseinandersetzungen geprägt war.

Beim ersten Lesen fallen sofort die religiösen Anspielungen und Metaphern auf, die das gesamte Gedicht durchziehen. In den einzelnen Strophen werden Natur-, Tier- und Menschenszenarien beschrieben, die alle auf irgendeine Weise durch Bedrohungen oder Gefahren gekennzeichnet sind.

Im Inhalt schildert Gryphius die existenzielle Situation des Menschen in dieser Welt. Diese beinhaltet sowohl die natürliche Vergänglichkeit und Sterblichkeit als auch die vom Schicksal auferlegten Lasten und die ständige Präsenz des Todes. All diese Aspekte sind Teil der menschlichen Existenz. Im letzten Teil zeigt Gryphius Gott als leidenden Christus, der sich trotz seiner gottgleichen Natur den Qualen dieser Welt stellt. Er stellt die Frage, wie sich ein Mensch verhalten sollte, wenn schon Gott selbst solche Leiden auf sich nimmt.

Gryphius verwendet in „Sicut urinata ligna“ einen formstrengen vierzehnzeiligen Sonett mit gereimten Versen und einem Kreuzreim-Schema. Die Sprache ist sehr bildreich und metaphorisch, was wohl dazu dient, die Schwere und Tragik der geschilderten menschlichen Existenz zu verstärken. Dabei nutzt er eine ausgefeilte Syntax, lange verschachtelte Sätze und ein anspruchsvolles Vokabular um die Komplexität und Schwierigkeit des menschlichen Daseins darzustellen.

Insgesamt zeigt das Gedicht eine düstere Sichtweise auf das Leben und die menschliche Existenz. Doch im Kontext der damaligen Zeit - religiöse Konflikte, Naturkatastrophen und Kriege - bietet es auch einen zeitgenössischen Kommentar zu den Herausforderungen und Leiden, die das Leben mit sich bringt. Es spiegelt die tiefe Religiosität und die existenziellen Ängste der Menschen im Barock wider. Die Darstellung von Christus als ein leidender Gott vermittelt dabei auch eine Botschaft des Mutes und der Hoffnung.

Weitere Informationen

Das Gedicht „Sicut urinata ligna“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Andreas Gryphius. Geboren wurde Gryphius im Jahr 1616 in Glogau. 1658 ist das Gedicht entstanden. Erschienen ist der Text in Breßlau. Aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors kann der Text der Epoche Barock zugeordnet werden. Bei dem Schriftsteller Gryphius handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche.

Die deutsche Epoche des Barock beginnt etwa 1600 und endet im Jahr 1720. Die wörtliche Übersetzung des portugiesischen Begriffes „barocco“ lautet „schiefe Perle“. Die Zeit des Barocks wurde durch den Dreißigjährigen Krieg stark beeinflusst – Hunger, Seuchen, Vergewaltigung und Tod sorgten für enormes Elend bei den Menschen in Europa. So dezimierte sich die Bevölkerung im Deutschen Reich von etwa 28 Millionen im Jahr 1615 auf 11 Millionen Menschen am Ende des Krieges im Jahr 1648. Die Literaturepoche des Barocks zeichnet sich vordergründig durch die Antithetik, also einem von Widersprüchen und Gegensätzen geprägtem Bewusstsein, aus. Durch die Antithetik kommt es in der Epoche des Barocks vermehrt zur Verwendung von Gegensatzpaaren, wie zum Beispiel: Diesseits und Jenseits, Tugend und Wollust oder Weltverneinung und Weltzugewandtheit. In Deutschland kam es durch den Barock zu einer Ablösung des Lateinischen im Schriftwerk - einschließlich der wissenschaftlichen und philosophischen Literatur - durch das Deutsche. Die bedeutenden Vertreter der Dichtung der Barockzeit sind Paul Fleming, Martin Opitz, Christian Hofmann von Hofmannswaldau, Andreas Gryphius, Johann Christian Günther, Simon Dach, Friedrich von Logau und Angelus Silesius.

Das Gedicht besteht aus 14 Versen mit nur einer Strophe und umfasst dabei 135 Worte. Weitere bekannte Gedichte des Autors Andreas Gryphius sind „An die Welt“, „An sich Selbst“ und „Auff den Sontag deß ernehrenden Versorgers / oder VII. Sontag nach dem Fest der H. Dreyeinigkeit / Marc. 8.“. Zum Autor des Gedichtes „Sicut urinata ligna“ haben wir auf abi-pur.de weitere 463 Gedichte veröffentlicht.

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