Sehnsucht von Heinrich Heine

Jedweder Geselle, sein Mädel am Arm,
Durchwandelt die Lindenreih’n;
Ich aber ich wandle, daß Gott erbarm,
Ganz mutterseel allein.
 
Mein Herz wird beengt, mein Auge wird trüb,
Wenn ein Andrer mit Liebchen sich freut.
Denn ich habe auch ein süßes Lieb,
Doch wohnt sie gar ferne und weit.
 
So manches Jahr getragen ich hab’,
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Ich trage nicht länger die Pein,
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Ich schnüre mein Bündlein, und greife den Stab,
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Und wandr’ in die Welt hinein.
 
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Und wandre fort manch hundert Stund’,
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Bis ich komm’ an die große Stadt;
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Sie prangt an eines Stromes Mund,
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Drey kekliche Thürme sie hat.
 
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Da schwindet bald mein Liebesharm,
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Da harret Freude mein;
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Da kann ich wandeln, feins Liebchen am Arm,
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Durch die duftigen Lindenreih’n.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.4 KB)

Details zum Gedicht „Sehnsucht“

Anzahl Strophen
5
Anzahl Verse
20
Anzahl Wörter
121
Entstehungsjahr
1822
Epoche
Junges Deutschland & Vormärz

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Sehnsucht“ stammt von Heinrich Heine, einem der bedeutendsten deutschen Dichter des 19. Jahrhunderts. Das Werk lässt sich somit in die Epoche der Romantik einordnen.

Betrachtet man das Gedicht auf den ersten Blick, so scheint es sich um eine Darstellung von Einsamkeit und damit einhergehender Sehnsucht zu handeln. Es konfrontiert den Leser mit der emotionalen Exklusion des lyrischen Ichs und einem tief sitzenden Verlangen nach Zugehörigkeit und Liebe.

Inhaltlich erzählt das Gedicht von einem Protagonisten, der gezwungenermaßen allein durch das Leben geht und dabei die Glücklichen mit geliebten Menschen an ihrer Seite beobachtet. Es ist von der Schmerzhaftigkeit und dem Neid geprägt, der bei der Betrachtung dieser glücklichen Paare entsteht. In der zweiten Strophe erfahren wir, dass auch das lyrische Ich ein „süßes Lieb“ hat, sie jedoch „gar ferne und weit“ wohnt. Hier wird das Gefühl der Trennung und der Sehnsucht hervorgehoben. In der Folge entscheidet sich das lyrische Ich, die Pein nicht länger zu ertragen und macht sich auf die Reise, um sein Lieb zu erreichen. Die letzten beiden Strophen beschreiben den Prozess der Reise und die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit der geliebten Person.

Die Botschaft des lyrischen Ichs könnten folglich die Bekundung tiefer Liebe, gepaart mit fast unerträglicher Sehnsucht und das Ausdrücken eines starken Willens, die damit verbundenen Hindernisse zu überwinden, sein.

Formal besteht das Gedicht aus fünf Strophen zu je vier Versen. Diese ähnliche Struktur vermittelt einen gleichmäßigen Rhythmus und fördert dadurch den flüssigen Lesefluss. Heines Diktion lässt sich als einfache, aber wirkungsvolle Sprache bezeichnen. Die Ausdrucksart ist emotional und bildhaft, was hilft, die melancholische Atmosphäre des Gedichts zu erzeugen. Die Verwendung der ersten Person Singular „ich“ stellt die personalen Erfahrungen und Gefühle des lyrischen Ichs in den Vordergrund und lädt den Leser dazu ein, sich mit diesen zu identifizieren. Insgesamt schafft das Gedicht eine emotionale Verbindung zwischen dem Leser und dem lyrischen Ich und gibt Einblick in tiefgreifende menschliche Erfahrungen von Liebe und Sehnsucht.

Weitere Informationen

Der Autor des Gedichtes „Sehnsucht“ ist Heinrich Heine. Heine wurde im Jahr 1797 in Düsseldorf geboren. Das Gedicht ist im Jahr 1822 entstanden. In Berlin ist der Text erschienen. Eine Zuordnung des Gedichtes zur Epoche Junges Deutschland & Vormärz kann aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Der Schriftsteller Heine ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das 121 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 20 Versen mit insgesamt 5 Strophen. Die Gedichte „Altes Lied“, „Am Golfe von Biskaya“ und „Am Kreuzweg wird begraben“ sind weitere Werke des Autors Heinrich Heine. Zum Autor des Gedichtes „Sehnsucht“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 535 Gedichte vor.

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