Seele des Lebens von Georg Trakl
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Verfall, der weich das Laub umdüstert, |
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Es wohnt im Wald sein weites Schweigen. |
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Bald scheint ein Dorf sich geisterhaft zu neigen. |
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Der Schwester Mund in schwarzen Zweigen flüstert. |
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Der Einsame wird bald entgleiten, |
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Vielleicht ein Hirt auf dunklen Pfaden. |
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Ein Tier tritt leise aus den Baumarkaden, |
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Indes die Lider sich vor Gottheit weiten. |
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Der blaue Fluß rinnt schön hinunter, |
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Gewölke sich am Abend zeigen; |
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Die Seele auch in engelhaftem Schweigen. |
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Vergängliche Gebilde gehen unter. |
Details zum Gedicht „Seele des Lebens“
Georg Trakl
3
12
74
1913
Expressionismus
Gedicht-Analyse
Das Gedicht „Seele des Lebens“ wurde von dem österreichischen Lyriker Georg Trakl, der von 1887 bis 1914 lebte, verfasst. Trakl ist besonders als expressionistischer Dichter bekannt. Er zählt zur literarischen Moderne und seine Schaffensperiode fällt in die Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg.
Beim ersten Lesen des Gedichts wird eine melancholische, fast düstere Stimmung deutlich. Die Atmosphäre ist gekennzeichnet durch Bilder von Zerfall und Vergänglichkeit. Gleichzeitig werden jedoch auch Elemente des Erhabenen und der spirituellen Erfahrung dargestellt.
Das Gedicht besteht aus drei Strophen, jede mit vier Versen. In der ersten Strophe spricht das lyrische Ich von der dunklen, verfallenden Natur und einem sich neigenden Dorf. Eine Schwester scheint aus dem Dunkel der Wälder zu flüstern, was sowohl auf menschlichen Verlust als auch auf eine Verbindung zur Natur hinweisen kann. In der zweiten Strophe entschwindet eine einsame Person, möglicherweise ein Hirte. Ein Tier tritt aus der Dunkelheit hervor, während sich die Lider vor der Göttlichkeit öffnen - ein Zeichen einer fast mystischen Erfahrung im Angesicht der Natur. Die dritte Strophe schildert einen blauen Fluss, der hinunter fließt, Wolken, die sich am Abend zeigen und vergängliche Gebilde, die untergehen. Die Seele scheint in stiller Kontemplation versunken zu sein.
Formal handelt es sich bei dem Gedicht um ein reimloses Gedicht in freien Rhythmen, das typisch ist für die expressionistische Lyrik. Die Sprache ist reich an starken, bildhaften Metaphern und symbolischen Anspielungen. Die „Schwester“, die in den Zweigen flüstert, sowie das Öffnen der Lider vor der Gottheit könnten auf mystische Erfahrungen hinweisen. Allerdings könnten sie auch Symbole für den Tod und die Ewigkeit sein. Die wiederkehrenden Bilder von Zerfall und Vergänglichkeit lassen das Gedicht düster und melancholisch wirken.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Trakls „Seele des Lebens“ die Beziehung des Menschen zur Natur und zur Vergänglichkeit in den Mittelpunkt stellt. Trotz der düsteren Stimmung ist das Gedicht durchzogen von einer Art spiritueller Erfahrung und einer tiefsinnigen Auseinandersetzung mit dem Leben und Sterben.
Weitere Informationen
Georg Trakl ist der Autor des Gedichtes „Seele des Lebens“. Der Autor Georg Trakl wurde 1887 in Salzburg geboren. 1913 ist das Gedicht entstanden. Der Erscheinungsort ist Leipzig. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht der Epoche Expressionismus zuordnen. Bei Trakl handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das vorliegende Gedicht umfasst 74 Wörter. Es baut sich aus 3 Strophen auf und besteht aus 12 Versen. Die Gedichte „Die Ratten“, „Die junge Magd“ und „Die schöne Stadt“ sind weitere Werke des Autors Georg Trakl. Zum Autor des Gedichtes „Seele des Lebens“ haben wir auf abi-pur.de weitere 60 Gedichte veröffentlicht.
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