Schöne Fraun mit schönen Katzen von Joachim Ringelnatz

Schöne Fraun und Katzen pflegen
Häufig Freundschaft, wenn sie gleich sind,
Weil sie weich sind
Und mit Grazie sich bewegen.
 
Weil sie leise sich verstehen,
Weil sie selber leise gehen,
Alles Plumpe oder Laute
Fliehen und als wohlgebaute
Wesen stets ein schönes Bild sind.
 
10 
Unter sich sind sie Vertraute,
11 
Sie, die sonst unzähmbar wild sind.
 
12 
Fell wie Samt und Haar wie Seide.
13 
Allverwöhnt. – Man meint, daß beide
14 
Sich nach nichts, als danach sehnen,
15 
Sich auf Sofas schön zu dehnen.
 
16 
Schöne Fraun mit schönen Katzen,
17 
Wem von ihnen man dann schmeichelt,
18 
Wen von ihnen man gar streichelt,
19 
Stets riskiert man, daß sie kratzen.
 
20 
Denn sie haben meistens Mucken,
21 
Die zuletzt uns andre jucken.
22 
Weiß man recht, ob sie im Hellen
23 
Echt sind oder sich verstellen?
 
24 
Weiß man, wenn sie tief sich ducken,
25 
Ob das nicht zum Sprung geschieht?
26 
Aber abends, nachts, im Dunkeln,
27 
Wenn dann ihre Augen funkeln,
28 
Weiß man alles oder flieht
29 
Vor den Funken, die sie stieben.
 
30 
Doch man soll nicht Fraun, die ihre
31 
Schönen Katzen wirklich lieben,
32 
Menschen überhaupt, die Tiere
33 
Lieben, dieserhalb verdammen.
 
34 
Sind Verliebte auch wie Flammen,
35 
Zu- und ineinander passend,
36 
Alles Fremde aber hassend.
 
37 
Ob sie anders oder so sind,
38 
Ob sie männlich, feminin sind,
39 
Ob sie traurig oder froh sind,
40 
Aus Madrid oder Berlin sind,
41 
Ob sie schwarz, ob gelb, ob grau, –
 
42 
Auch wer weder Katz noch Frau
43 
Schätzt, wird Katzen gern mit Frauen,
44 
Wenn sie beide schön sind, schauen.
 
45 
Doch begegnen Ringelnatzen
46 
Häßlich alte Fraun mit Katzen,
47 
Geht er schnell drei Schritt zurück.
48 
Denn er sagt: Das bringt kein Glück.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (27.3 KB)

Details zum Gedicht „Schöne Fraun mit schönen Katzen“

Anzahl Strophen
12
Anzahl Verse
48
Anzahl Wörter
257
Entstehungsjahr
1929
Epoche
Moderne,
Expressionismus

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „Schöne Fraun mit schönen Katzen“ ist Joachim Ringelnatz. Ringelnatz wurde im Jahr 1883 in Wurzen geboren. 1929 ist das Gedicht entstanden. In Berlin ist der Text erschienen. Eine Zuordnung des Gedichtes zu den Epochen Moderne oder Expressionismus kann auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Bei dem Schriftsteller Ringelnatz handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen. Das 257 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 48 Versen mit insgesamt 12 Strophen. Weitere Werke des Dichters Joachim Ringelnatz sind „Afrikanisches Duell“, „Alone“ und „Alte Winkelmauer“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Schöne Fraun mit schönen Katzen“ weitere 560 Gedichte vor.

+ Wie analysiere ich ein Gedicht?

Daten werden aufbereitet

Das Video mit dem Titel „Schöne Fraun mit schönen Katzen, Gedicht von Joachim Ringelnatz, Lesung vom Vorleser.“ wurde auf YouTube veröffentlicht. Unter Umständen sind 2 Klicks auf den Play-Button erforderlich um das Video zu starten.

Fertige Biographien und Interpretationen, Analysen oder Zusammenfassungen zu Werken des Autors Joachim Ringelnatz

Wir haben in unserem Hausaufgaben- und Referate-Archiv weitere Informationen zu Joachim Ringelnatz und seinem Gedicht „Schöne Fraun mit schönen Katzen“ zusammengestellt. Diese Dokumente könnten Dich interessieren.

Weitere Gedichte des Autors Joachim Ringelnatz (Infos zum Autor)

Zum Autor Joachim Ringelnatz sind auf abi-pur.de 560 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.