Schöne Fraun mit schönen Katzen von Joachim Ringelnatz
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Schöne Fraun und Katzen pflegen |
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Häufig Freundschaft, wenn sie gleich sind, |
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Weil sie weich sind |
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Und mit Grazie sich bewegen. |
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Weil sie leise sich verstehen, |
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Weil sie selber leise gehen, |
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Alles Plumpe oder Laute |
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Fliehen und als wohlgebaute |
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Wesen stets ein schönes Bild sind. |
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Unter sich sind sie Vertraute, |
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Sie, die sonst unzähmbar wild sind. |
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Fell wie Samt und Haar wie Seide. |
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Allverwöhnt. – Man meint, daß beide |
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Sich nach nichts, als danach sehnen, |
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Sich auf Sofas schön zu dehnen. |
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Schöne Fraun mit schönen Katzen, |
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Wem von ihnen man dann schmeichelt, |
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Wen von ihnen man gar streichelt, |
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Stets riskiert man, daß sie kratzen. |
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Denn sie haben meistens Mucken, |
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Die zuletzt uns andre jucken. |
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Weiß man recht, ob sie im Hellen |
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Echt sind oder sich verstellen? |
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Weiß man, wenn sie tief sich ducken, |
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Ob das nicht zum Sprung geschieht? |
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Aber abends, nachts, im Dunkeln, |
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Wenn dann ihre Augen funkeln, |
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Weiß man alles oder flieht |
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Vor den Funken, die sie stieben. |
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Doch man soll nicht Fraun, die ihre |
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Schönen Katzen wirklich lieben, |
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Menschen überhaupt, die Tiere |
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Lieben, dieserhalb verdammen. |
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Sind Verliebte auch wie Flammen, |
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Zu- und ineinander passend, |
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Alles Fremde aber hassend. |
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Ob sie anders oder so sind, |
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Ob sie männlich, feminin sind, |
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Ob sie traurig oder froh sind, |
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Aus Madrid oder Berlin sind, |
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Ob sie schwarz, ob gelb, ob grau, – |
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Auch wer weder Katz noch Frau |
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Schätzt, wird Katzen gern mit Frauen, |
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Wenn sie beide schön sind, schauen. |
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Doch begegnen Ringelnatzen |
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Häßlich alte Fraun mit Katzen, |
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Geht er schnell drei Schritt zurück. |
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Denn er sagt: Das bringt kein Glück. |
Details zum Gedicht „Schöne Fraun mit schönen Katzen“
Joachim Ringelnatz
12
48
257
1929
Moderne,
Expressionismus
Gedicht-Analyse
Das vorliegende Gedicht stammt von Joachim Ringelnatz, einem Dichter und Schriftsteller, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts tätig war. Sein Gedicht „Schöne Fraun mit schönen Katzen“ setzt sich auf humorvolle Weise mit der Beziehung zwischen Frauen und Katzen auseinander und spiegelt damit die typische Art von Ringelnatz wider, Alltagssituationen kunstvoll und zugleich humorvoll darzustellen.
Das Gedicht lässt schon beim ersten Lesen die satirische Pointierung des Themas erahnen. Inhaltlich geht es um die Parallelen zwischen schönen Frauen und Katzen, die das lyrische Ich durch entsprechende Beschreibungen ihrer Eigenschaften und Verhaltensweisen herausstellt. So werden sowohl Frauen als auch Katzen als anmutig, leise, und wohlgebaute Wesen beschrieben. Das Gedicht stellt dabei mit Charme und Ironie ein alltägliches Phänomen dar: die Neigung von Frauen, Katzen zu halten und die damit verbundenen möglichen Missverständnisse und Unwägbarkeiten.
Das lyrische Ich weist auf die Unberechenbarkeit von beiden hin, indem es darauf verweist, dass sowohl Frauen als auch Katzen das Potential haben, zu kratzen oder sich in unerwarteter Weise zu verhalten. Der Vergleich zwischen den beiden lässt auch auf eine gesellschaftskritische Komponente des Gedichts schließen: das Bild der Frau, die sich – ähnlich wie eine Katze – in vornehmer Zurückhaltung gibt, aber auch einen gewissen Eigensinn und Unabhängigkeit demonstriert.
Das Gedicht ist in zwölf Strophen aufgeteilt, wobei jede Strophe unterschiedlich viele Verse aufweist. Die freie Form des Gedichts passt zu dem humorvollen und ironischen Ton, der durch das Gedicht hindurch erkennbar ist. Die Sprache ist einfach und klar, aber durchsetzt mit bildhaften Vergleichen und scharfsinnigen Beobachtungen. Der humorvolle Ton wird durch die Verwendung von umgangssprachlichen Begriffen und Formulierungen, wie „Mucken“, „jucken“ oder „bringt kein Glück“ unterstützt.
Insgesamt ist „Schöne Fraun mit schönen Katzen“ ein typisches Beispiel für die Dichtung von Ringelnatz, die durch humorvolle und bisweilen sarkastische Beobachtungen des alltäglichen Lebens geprägt ist. Bei genauer Lektüre offenbart das Gedicht zudem eine kritische Betrachtung von gesellschaftlichen Normen und Konventionen, insbesondere im Hinblick auf das Frauenbild und die Rolle von Haus- oder Haustieren in der Gesellschaft.
Weitere Informationen
Der Autor des Gedichtes „Schöne Fraun mit schönen Katzen“ ist Joachim Ringelnatz. Ringelnatz wurde im Jahr 1883 in Wurzen geboren. 1929 ist das Gedicht entstanden. In Berlin ist der Text erschienen. Eine Zuordnung des Gedichtes zu den Epochen Moderne oder Expressionismus kann aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Bei dem Schriftsteller Ringelnatz handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen. Das 257 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 48 Versen mit insgesamt 12 Strophen. Weitere Werke des Dichters Joachim Ringelnatz sind „Afrikanisches Duell“, „Alone“ und „Alte Winkelmauer“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Schöne Fraun mit schönen Katzen“ weitere 560 Gedichte vor.
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Zum Autor Joachim Ringelnatz sind auf abi-pur.de 560 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.
