Schwebende Zukunft von Joachim Ringelnatz
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Habt ihr einen Kummer in der Brust |
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Anfang August, |
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Seht euch einmal bewußt |
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An, was wir als Kinder übersahn. |
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Da schickt der Löwenzahn |
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Seinen Samen fort in die Luft. |
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Der ist so leicht wie Duft |
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Und sinnreich rund umgeben |
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Von Faserstrahlen, zart wie Spinneweben. |
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Und er reist hoch über euer Dach, |
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Von Winden, schon vom Hauch gepustet. |
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Wenn einer von euch hustet, |
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Wirkt das auf ihn wie Krach, |
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Und er entweicht. |
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Luftglücklich leicht. |
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Wird sich sanft wo in Erde betten. |
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Und im Nächstjahr stehn |
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Dort die fetten, goldigen Rosetten, |
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Kuhblumen, die wir als Kind übersehn. |
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Zartheit und Freimut lenken |
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Wieder später deren Samen Fahrt. |
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Flöge doch unser aller Zukunftsdenken |
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So frei aus und so zart. |
Details zum Gedicht „Schwebende Zukunft“
Joachim Ringelnatz
6
23
115
1932
Moderne,
Expressionismus
Gedicht-Analyse
Das vorliegende Gedicht „Schwebende Zukunft“ wurde von Joachim Ringelnatz, einem bekannten deutschen Schriftsteller und Kabarettist, geschrieben. Ringelnatz war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aktiv, er starb 1934.
Beim ersten Lesen des Gedichts entsteht ein Eindruck von Leichtigkeit und Freiheit, begleitet von einer Betrachtung der Natur und des Lebenszyklus. Es eröffnet mit einer Zeile, die auf einen Kummer hinweist, und lädt die Leser ein, sich ihrer Kindheit zu erinnern.
Das Gedicht handelt von der Zukunft und der Natur - genauer, vom Löwenzahn. In der ersten Strophe spricht das lyrische Ich von Kummer und der Tatsache, dass wir als Kinder oft die einfachen Schönheiten der Natur übersehen. In den folgenden Strophen wird der Lebenszyklus des Löwenzahns als Metapher verwendet – von der Verbreitung seines Samens bis zum Erblühen im nächsten Jahr. Das lyrische Ich betont die Leichtigkeit und Zartheit des Samens und wie er seinen eigenen Weg findet und neues Leben hervorbringt.
In der abschließenden Strophe lässt das lyrische Ich den Wunsch erkennen, dass menschliches Zukunftsdenken genauso frei und unbeschwert sein sollte wie die Reise des Löwenzahnsamens.
In Bezug auf die Form und Sprache des Gedichts ist zu bemerken, dass Ringelnatz kurze, klare Sätze und einfache, doch eindrucksvolle Metaphern verwendet. Er greift auf die natürliche Schönheit des Löwenzahns zurück, ein alltägliches und oft übersehenes Element der Natur, um tiefergehende Überlegungen über die Zukunft und die Art und Weise, wie wir sie angehen sollten, anzustellen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass „Schwebende Zukunft“ ein bedachtsames und poesievolles Werk ist, das die Leser dazu auffordert, sich mehr auf die Leichtigkeit und Schönheit des Lebens zu konzentrieren und weniger auf die Sorgen um die Zukunft.
Weitere Informationen
Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Schwebende Zukunft“ des Autors Joachim Ringelnatz. Im Jahr 1883 wurde Ringelnatz in Wurzen geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1932. Berlin ist der Erscheinungsort des Textes. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht den Epochen Moderne oder Expressionismus zuordnen. Bei Ringelnatz handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen. Das vorliegende Gedicht umfasst 115 Wörter. Es baut sich aus 6 Strophen auf und besteht aus 23 Versen. Weitere Werke des Dichters Joachim Ringelnatz sind „Abermals in Zwickau“, „Abgesehen von der Profitlüge“ und „Abglanz“. Zum Autor des Gedichtes „Schwebende Zukunft“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 560 Gedichte vor.
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Zum Autor Joachim Ringelnatz sind auf abi-pur.de 560 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.
