Schnee von Joachim Ringelnatz

Zwischen den Bahngeleisen
Vertränt sich morgenroter Schnee. – –
Artisten müssen reisen
Ins Gebirge und an die See,
Nach Leipzig – und immer wieder fort, fort.
Nicht aus Vergnügen und nicht zum Sport.
Manchmal tut`s weh.
 
Der ich zu Hause bei meiner Frau
So gern noch wochenlang bliebe;
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Mir schreibt eine schöne Dame:
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„Komm zu uns nach Oberammergau.
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Bei uns ist Christus und Liebe,
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Und unser Schnee leuchtet himmelblau.“ –
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Aber Plakate und Zeitungsreklame
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Befehlen mich leider nicht dort-,
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Sondern anderwohin. Fort, fort.
 
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Der Schnee ist schwarz und traurig
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In der Stadt.
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Wer da keine Unterkunft hat,
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den bedaure ich.
 
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Der Schnee ist weiß, wo nicht Menschen sind.
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Der Schnee ist weiß für jedes Kind.
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Und im Frühling, wenn die Schneeglöckchen blühn,
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Wird der Schnee wieder grün.
 
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Beschnuppert im grauen Schnee ein Wauwau
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Das Gelbe,
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Reißt eine strenge Leine ihn fort. –
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Mit mir im Oberhimmelblau
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Wär’s ungefähr dasselbe.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (25.7 KB)

Details zum Gedicht „Schnee“

Anzahl Strophen
5
Anzahl Verse
29
Anzahl Wörter
146
Entstehungsjahr
1933
Epoche
Moderne,
Expressionismus

Gedicht-Analyse

Joachim Ringelnatz ist der Autor des Gedichtes „Schnee“. Der Autor Joachim Ringelnatz wurde 1883 in Wurzen geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1933. Der Erscheinungsort ist Berlin. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her kann der Text den Epochen Moderne oder Expressionismus zugeordnet werden. Der Schriftsteller Ringelnatz ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen. Das 146 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 29 Versen mit insgesamt 5 Strophen. Die Gedichte „7. August 1929“, „Abendgebet einer erkälteten Negerin“ und „Abermals in Zwickau“ sind weitere Werke des Autors Joachim Ringelnatz. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Schnee“ weitere 560 Gedichte vor.

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