Schläge von Joachim Ringelnatz
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Es schlägt im Busch eine Nachtigall. |
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Es schlägt ein Knecht auf dem Sommerball |
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Einem andern den Schädel entzwei. |
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Es schlägt eine Turmuhr Drei. |
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Es sagt die Nacht, wenn sie vorbei |
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Ist: „Guten Tag!“ |
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Es schlägt ein frischer Trommelschlag |
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Die Schläfrigkeit zu Brei. |
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Es sagt der Tag, wenn er vergeht: |
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„Gut Nacht!“ Will nichts besagen. |
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Schlägt alles – auch letzte Stunde – vorbei. |
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Doch wer sich drauf und dran versteht, |
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Der hört in jeder Schlägerei |
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Herzen schlagen. |
Details zum Gedicht „Schläge“
Joachim Ringelnatz
3
14
74
1929
Moderne,
Expressionismus
Gedicht-Analyse
Das Gedicht „Schläge“ stammt von Joachim Ringelnatz, einem deutschen Dichter und Schriftsteller, der von 1883 bis 1934 lebte. Sein Schaffen kann somit zur Zeit der Weimarer Republik und der Anfangsjahre des Dritten Reiches zeitlich eingeordnet werden.
Beim ersten Lesen fällt auf, dass das Wort „schlagen“ in verschiedenen Varianten und Kontexten verwendet wird, was dem Gedicht ein rhythmisches und gleichzeitig brutales Gefühl verleiht. Der Ausdruck wird hier sowohl in harmonischem als auch in aggressivem Kontext genutzt und verbindet somit Natur, Zeit und menschliche Interaktion miteinander.
Das lyrische Ich präsentiert uns unterschiedliche Situationen, in denen das Verb „schlagen“ verwendet wird: einerseits die Nachtigall im Busch, den Knecht auf dem Ball, die Turmuhr, die Trommel und zuletzt die Herzen. Daraus lassen sich Interpretationen auf zwei Ebenen ableiten. Einerseits könnte der Dichter alltägliche Erfahrungen und Ereignisse beschreiben, in denen „Schlag“ oder „schlagen“ eine Rolle spielt. Andererseits könnte er auf metaphorische Weise über den unvermeidlichen Fortgang der Zeit oder das pulsierende Leben selbst sprechen, indem er das Verb „schlagen“ als Symbol für den Rhythmus der Natur und der menschlichen Existenz verwendet.
In Bezug auf die formale Gestaltung verfügt das Gedicht über abwechslungsreiche Metrik und wechselnde Strophenlängen. Es gibt keine einheitliche Reimstruktur, jedoch finden sich assonante Klänge und Alliterationen, die dem Gedicht einen gewissen Rhythmus verleihen. Die Sprache ist einfach und leicht verständlich, jedoch ist die semantische Bandbreite des Verbs „schlagen“ komplex und erfordert eine sorgfältige Interpretation.
Insgesamt kann man sagen, dass Ringelnatz in diesem Gedicht den Leser dazu auffordert, über die allgegenwärtige Rolle des „Schlagens“ in unserem Leben nachzudenken - vom natürlichen Klang der Nachtigall bis hin zur teils brutalen Interaktion zwischen Menschen. Es scheint, als ob er betont, dass trotz aller Brutalität oder Trivialität des Alltags das Leben immer weitergeht, und es einen steten Herzschlag oder Rhythmus gibt, der unter allem liegt.
Weitere Informationen
Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Schläge“ des Autors Joachim Ringelnatz. Ringelnatz wurde im Jahr 1883 in Wurzen geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1929 zurück. Erscheinungsort des Textes ist Berlin. Eine Zuordnung des Gedichtes zu den Epochen Moderne oder Expressionismus kann aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Bei dem Schriftsteller Ringelnatz handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen. Das vorliegende Gedicht umfasst 74 Wörter. Es baut sich aus 3 Strophen auf und besteht aus 14 Versen. Weitere Werke des Dichters Joachim Ringelnatz sind „Afrikanisches Duell“, „Alone“ und „Alte Winkelmauer“. Zum Autor des Gedichtes „Schläge“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 560 Gedichte vor.
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