Schlafmohn von Rainer Maria Rilke
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Abseits im Garten blüht der böse Schlaf, |
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in welchem die, die heimlich eingedrungen, |
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die Liebe fanden junger Spiegelungen, |
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die willig waren, offen und konkav, |
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und Träume, die mit aufgeregten Masken |
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auftraten, riesiger durch die Kothurne —: |
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das alles stockt in diesen oben flasken |
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weichlichen Stengeln, die die Samenurne |
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(nachdem sie lang, die Knospe abwärts tragend |
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zu welken meinten) festverschlossen heben: |
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gefranste Kelche auseinanderschlagend, |
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die fieberhaft das Mohngefäß umgeben. |
Details zum Gedicht „Schlafmohn“
Rainer Maria Rilke
3
12
67
1918
Moderne
Gedicht-Analyse
Der Autor des vorgelegten Gedichts ist Rainer Maria Rilke, einem der bedeutendsten Lyriker der literarischen Moderne, geboren 1875 und gestorben 1926. Daher lässt sich das Gedicht zeitlich in das ausgehende 19. und frühe 20. Jahrhundert einordnen.
Auf den erstmaligen Blick wirkt das Gedicht sehr bildhaft und metaphorisch. Rilke verwendet die Natur, genauer gesagt, die Pflanze des Schlafmohns als zentrales Motiv seines Werks.
Inhaltlich geht es im ersten Abschnitt um den „bösen“ Schlafmohn, der abseits im Garten blüht und scheinbar heimlich von Liebenden aufgesucht wird. Diese Liebenden finden in der Reflektion des Mohns einen Ort der Intimität und Offenheit. Der zweite Abschnitt führt das Motiv der Träume ein, welche durch aufgeregte Masken und riesige Kothurne (hohe Schuhe, die im antiken Theater getragen wurden) gekennzeichnet sind. Diese Träume scheinen in den Stängeln des Mohns gefangen zu sein. Im letzen Abschnitt schließlich werden die Mohnkelche als gefranst dargestellt, die sowohl das Mohngefäß umgeben als auch aufschlagen. Sie scheinen ihre Samen fest verschlossen zu halten, fast so als würden sie welken, doch dann heben sie die Samenurne fest verschlossen an.
Das lyrische Ich zeichnet ein Bild von intensiven, vielleicht sogar verbotenen Gefühlen, die sowohl Schönheit als auch Gefahr in sich bergen. „Der böse Schlaf“ könnte dabei für eine Form von Betäubung oder Vergessen stehen, die die Liebenden suchen, während die „jungen Spiegelungen“ ihre frische und leidenschaftliche Liebe symbolisieren könnten.
Das Gedicht ist in drei Vierzeiler- oder Quartett-Strophen gegliedert und wirkt daher sehr geordnet. Rilkes Sprache ist bildhaft und metaphorisch, was eine Stimmung von Traum und Verlangen erzeugt. Trotz der geordneten Struktur schafft Rilke eine recht komplexe und schwer greifbare Atmosphäre, indem er Begriffe und Bilder ineinander verwebt und so eine Reihe von Assoziationen und Deutungen zulässt. Darüber hinaus verwendet er gehobene und zum Teil altertümliche Wortwahl wie „Kothurne“ und „konkav“, was die Interpretation weiter erschwert, ihm jedoch auch ermöglicht, seine Ideen auf eine besonders poetische und suggestive Weise zu vermitteln.
Weitere Informationen
Das Gedicht „Schlafmohn“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Rainer Maria Rilke. Geboren wurde Rilke im Jahr 1875 in Prag. Im Jahr 1918 ist das Gedicht entstanden. Erscheinungsort des Textes ist Leipzig. Aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors kann der Text der Epoche Moderne zugeordnet werden. Bei dem Schriftsteller Rilke handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das 67 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 12 Versen mit insgesamt 3 Strophen. Weitere Werke des Dichters Rainer Maria Rilke sind „Abend“, „Abend in Skaane“ und „Absaloms Abfall“. Zum Autor des Gedichtes „Schlafmohn“ haben wir auf abi-pur.de weitere 338 Gedichte veröffentlicht.
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