Sant’ Agnese von Marie Eugenie Delle Grazie
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Im weißen Jungsrau’n-Kleide, |
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Das Lämmchen an der Seite |
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Erwartet sie den Tod – |
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Es weh’n wie seid’ne Flocken |
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Die goldig-braunen Locken |
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Um ihrer Wangen Roth. |
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Im Aug’ ein schüchtern’ Fragen, |
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Halb Wonne und halb Zagen, |
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Als ging’s zu einem Fest – |
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So kindlich und vertrauend, |
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So hold und arglos schauend, |
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Wie Unschuld schauen läßt! |
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Weich spielt die Hand im Felle |
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Des Lämmchens, das ihr helle |
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Und klug in’s Antlitz blickt: |
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„Was wird’s nun mit uns Beiden? |
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Giebt’s Freuden oder Leiden?“ |
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Ei, was uns Christus schickt! |
Details zum Gedicht „Sant’ Agnese“
3
18
90
1892
Realismus
Gedicht-Analyse
Das Gedicht stammt von Marie Eugenie Delle Grazie und wurde in der Zeit von 1864 bis 1931 verfasst, es lässt sich somit dem 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zuordnen.
Der erste Eindruck des Gedichts ist sehr emotional und intensiv. Es beschreibt eine junge Frau - womöglich eine jungfräuliche glorifizierte Heilige (Sant’ Agnese) - in einem weißen Kleid, die mit einem Lamm an ihrer Seite den Tod erwartet. Trotz der Intensität des Themas Tod ist die Stimmung des Gedichts nicht düster oder schreckenerfüllt, sondern eher friedlich und sogar hoffnungsfroh, als würde die Protagonistin zu einem Fest gehen (Vers 9).
Das lyrische Ich könnte einerseits die Heilige Agnese selbst darstellen, andererseits könnte es auch eine Art Erzähler sein, der die Szene beschreibt. Sie stellt das Ereignis als einen von Gott vorgegebenen Weg dar und nimmt es mit Demut und Zuversicht auf („Ei, was uns Christus schickt!“ - Vers 18).
Formal besteht das Gedicht aus drei sechszeiligen Strophen, die jeweils einheitlich aufgebaut sind. Die Sprache ist feierlich, emotional und bildreich. Sie erzeugt eine fast märchenhafte, berührende Atmosphäre und betont die Reinheit, Unschuld und Sanftheit der dargestellten Figur. Der verwendete Reim (ABCCBA) und der gleichbleibende Rhythmus verleihen dem Gedicht ein Gefühl von Ruhe und Harmonie.
So wird dieses Gedicht von Marie Eugenie Delle Grazie zu einer emotional berührenden Betrachtung des Themas Tod, das gleichzeitig die tiefe Demut und den Glauben an Gott darstellt. Es zeigt ein Bild von Frieden, Hoffnung und Gelassenheit angesichts des Unausweichlichen, das möglicherweise mit der Heiligen Agnese oder einer ähnlichen Figur in Verbindung gebracht wird.
Weitere Informationen
Das Gedicht „Sant’ Agnese“ stammt aus der Feder der Autorin bzw. Lyrikerin Marie Eugenie Delle Grazie. Die Autorin Marie Eugenie Delle Grazie wurde 1864 in Weißkirchen (Bela Crkva) geboren. Im Jahr 1892 ist das Gedicht entstanden. Erschienen ist der Text in Leipzig. Das Gedicht lässt sich anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten der Autorin her der Epoche Realismus zuordnen. Delle Grazie ist eine typische Vertreterin der genannten Epoche. Das Gedicht besteht aus 18 Versen mit insgesamt 3 Strophen und umfasst dabei 90 Worte. Die Gedichte „Beatrice Cenci“, „Campo Santo“ und „Capri, Capri, könnt’ ich je vergessen“ sind weitere Werke der Autorin Marie Eugenie Delle Grazie. Zur Autorin des Gedichtes „Sant’ Agnese“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 71 Gedichte vor.
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