Salvatorkeller von Klabund
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Das ist der Sommer, der die Busen bauscht, |
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Der Mummelgreise in Apollos tauscht. |
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Im Dunkeln zittern Frauensilhouetten, |
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Umschwankt von unsichtbaren Rosenketten. |
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Doch ach! Schon bei den ersten Gaslaternen |
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Spürt die Verwesung man, erstrebt den fernen |
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Salvatorkeller, um beim Glase Märzen |
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Den Sommerkummer milde auszusterzen. |
Details zum Gedicht „Salvatorkeller“
Klabund
2
8
44
1913
Moderne,
Expressionismus
Gedicht-Analyse
Das Gedicht „Salvatorkeller“ wurde von Klabund verfasst. Klabund ist ein Pseudonym für den deutschen Schriftsteller Alfred Henschke, der von 1890 bis 1928 lebte, also in der Zeit des Expressionismus in Deutschland aktiv war. Das Gedicht selbst könnte ebenfalls dieser Epoche zugeordnet sein.
Die erste Strophe des Gedichtes beschreibt einen romantischen, fast idyllischen Sommer, in dem das Altwerden (vor allem der männlichen Bevölkerung durch den Begriff „Mummelgreise“) durch die jugendliche Kraft und Schönheit des Gottes Apollo ausgetauscht wird. Frauensilhouetten, die von unsichtbaren Rosenketten umschwankt werden, zittern im Dunkeln, wodurch eine erotische Atmosphäre geschaffen wird.
In der zweiten Strophe ändert sich allerdings die Atmosphäre des Gedichtes dramatisch. Mit dem Einsetzen der Gaslaternen nimmt die Verwesung und somit die Vergänglichkeit des Lebens ihren Lauf. Das lyrische Ich strebt den weit entfernten „Salvatorkeller“ an, um bei einem Glas Märzen Bier seinen sommerlichen Kummer zu ertränken.
Durch die kontrastreiche Darstellung von Leben und Vergänglichkeit und der Wahl einer Biergaststätte als Ort der Flucht aus der harten Realität, scheint das lyrische Ich die Konfrontation mit der Vergänglichkeit des Lebens und den zwangsläufigen Alterungsprozess zu schäuen.
Formell besteht das Gedicht aus zwei Vierzeilern, also zwei Quartetten. Die Reimstruktur ist umschließend, was bedeutet, dass der erste und der vierte Vers, sowie der zweite und der dritte Vers jeweils miteinander reimen (ABBA). Die Verse sind Jamben, also ein unbetonter gefolgt von einem betonten Takt, was dem Gedicht einen rhythmischen Fluss verleiht.
Die Sprache des Gedichts ist bildhaft und metaphorisch, z.B. ist der „Salvatorkeller“ ein konkretes Bild für einen Ort der Zuflucht und des Vergessens. Mit der Verwendung des Wortes „Verwesung“ zum beschreiben der Vergänglichkeit, erzeugt Klabund ein starkes und düsteres Bild. Insgesamt ist das Gedicht geprägt durch den Kontrast zwischen den ästhetischen Bildern der ersten Strophe und den düsteren, realistischen Bildern der zweiten Strophe.
Weitere Informationen
Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Salvatorkeller“ des Autors Klabund. Der Autor Klabund wurde 1890 in Crossen an der Oder geboren. Im Jahr 1913 ist das Gedicht entstanden. In Berlin ist der Text erschienen. Aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors kann der Text den Epochen Moderne oder Expressionismus zugeordnet werden. Die Angaben zur Epoche prüfe bitte vor Verwendung auf Richtigkeit. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Da sich die Literaturepochen zeitlich teilweise überschneiden, ist eine reine zeitliche Zuordnung fehleranfällig. Das 44 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 8 Versen mit insgesamt 2 Strophen. Die Gedichte „Bauz“, „Berliner Ballade“ und „Berliner Mittelstandsbegräbnis“ sind weitere Werke des Autors Klabund. Zum Autor des Gedichtes „Salvatorkeller“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 139 Gedichte vor.
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