Röschen von Wilhelm Busch

Als Kind von angenehmen Zügen
War Röschen ein gar lustig Ding.
Gern zupfte sie das Bein der Fliegen,
Die sie geschickt mit Spucke fing.
 
Sie wuchs, und größere Objekte
Lockt sie von nun an in ihr Garn,
Nicht nur die jungen, nein, sie neckte
Und rupft auch manchen alten Narrn.
 
Inzwischen tat in stillem Walten
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Die Zeit getreulich ihre Pflicht.
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Durch wundersame Bügelfalten
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Verziert sie Röschens Angesicht.
 
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Und locker wurden Röschens Zähne.
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Kein Freier stellte sich mehr ein.
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Und schließlich kriegt sie gar Migräne,
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Und die pflegt dauerhaft zu sein.
 
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Dies führte sie zum Aberglauben,
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Obwohl sie sonst nicht gläubig schien.
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Sie meinte fest, daß Turteltauben
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Den Schmerz der Menschen an sich ziehn.
 
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Zwei Stück davon hat sie im Bauer,
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Ein Pärchen, welches zärtlich girrt;
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Jetzt liegt sie täglich auf der Lauer,
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Ob ihnen noch nicht übel wird.
Arbeitsblatt zum Gedicht
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Details zum Gedicht „Röschen“

Anzahl Strophen
6
Anzahl Verse
24
Anzahl Wörter
138
Entstehungsjahr
nach 1848
Epoche
Biedermeier,
Junges Deutschland & Vormärz,
Realismus

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Röschen“ stammt aus der Feder von Wilhelm Busch, einem deutschen Dichter und Zeichner, der im späten 19. Jahrhundert lebte. Aufgrund des Lebensdatums des Autors kann das Gedicht in die Epoche des Realismus eingeordnet werden.

Die ersten Eindrücke vom Gedicht erzeugen ein Bild eines leicht schelmischen, spielerischen Mädchens namens Röschen, das zu einer Frau heranwächst. Sie scheint eine gewisse Freude daran zu haben, ihre Mitmenschen in unterschiedlichen Stadien ihres Lebens zu verspotten und herauszufordern.

Der Inhalt des Gedichts beschreibt das Leben und Erwachsenwerden von Röschen. In ihrer Kindheit fängt sie gerne Fliegen, im weiteren Lebensverlauf zieht sie größere „Opfer“ in ihr Spinnennetz, einschließlich älterer Männer. Mit fortschreitendem Alter verliert sie jedoch ihre Schönheit und Attraktivität, wird krank und die Freier bleiben aus. Schließlich wendet sie sich dem Aberglauben zu und glaubt, Turteltauben könnten ihren Kopfschmerz lindern.

Das lyrische Ich scheint die Entwicklung von Röschen mit einer gewissen ironischen Distanz zu betrachten. Es gibt den Lebensverlauf wieder, betont dabei aber besonders die Veränderungen, die mit dem Älterwerden einhergehen. Es lässt durchklingen, dass Röschen nicht nur optisch altert, sondern auch geistig weniger flexibel und offener für Aberglauben wird.

Das Gedicht ist in sechs Strophen mit je vier Versen aufgebaut. Es zeichnet sich durch seinen einfachen, klaren Stil aus und ist durchgängig in Jamben verfasst. Busch nutzt eine schnörkellose, jedoch bildreiche Sprache und schafft es, mit humorvollen und ironischen Formulierungen das Bild des charakterstarken Mädchens Röschen lebhaft zu zeichnen.

Abschließend lässt sich sagen, dass Busch in „Röschen“ mit spitzer Feder und Humor das Heranwachsen und Älterwerden einer Frau darstellt. Er verbindet dies mit sozialkritischen Aspekten und gewitzten Beobachtungen menschlichen Verhaltens. Auch der Umgang mit Alter und Krankheit und das Zurückgreifen auf Aberglauben wird kritisch, aber humorvoll kommentiert.

Weitere Informationen

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Röschen“ des Autors Wilhelm Busch. Der Autor Wilhelm Busch wurde 1832 in Wiedensahl geboren. Zwischen den Jahren 1848 und 1908 ist das Gedicht entstanden. Der Erscheinungsort ist Wiesbaden u. Berlin. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zu den Epochen Biedermeier, Junges Deutschland & Vormärz, Realismus, Naturalismus oder Moderne zu. Prüfe bitte vor Verwendung die Angaben zur Epoche auf Richtigkeit. Die Zuordnung der Epochen ist auf zeitlicher Ebene geschehen. Da sich Literaturepochen zeitlich überschneiden, ist eine reine zeitliche Zuordnung häufig mit Fehlern behaftet. Das 138 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 24 Versen mit insgesamt 6 Strophen. Weitere Werke des Dichters Wilhelm Busch sind „Als Christus der Herr in Garten ging“, „Als er noch krause Locken trug“ und „Also hat es dir gefallen“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Röschen“ weitere 208 Gedichte vor.

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