Ruhe nach dem Sturm von Rudolf Lavant

Nun kommt im biedern Land der Eichen
Allmälig wieder man zur Ruh.
Man deckt des Wahlkampfs „schöne“ Leichen
Mit Kalk und schwarzer Erde zu,
Indeß man tiefbetrübt die Posten
Der Spesen sich zusammenstellt,
Denn auch die Niederlagen kosten
Bekanntlich ja ein Heidengeld.
 
Fürsorglich packt die Sonntagsphrase
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Der Reichsfreund nun in Watte ein,
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Und die entrüstete Emphase
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Verschließt er im polirten Schrein.
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Es wandern selber die Posaunen
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Voll Hast in irgend ein Verließ,
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In die man zu der Hörer Staunen
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Mit aufgeblasnen Backen stieß.
 
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Was aus dem großen heil’gen Kampfe
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An Wahlplakaten übrig bleibt,
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Das wandert in die Lumpenstampfe,
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Die achtlos ihre Räder treibt,
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Und die mit souveräner Kühle,
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Was der Kartell-Apostel schreibt
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Im Wallen heiligster Gefühle,
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Zu einem grauen Brei zerreibt.
 
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Zur Ruhe wieder sind gekommen
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Die Herrn Studenten, bunt bemützt,
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Die zu des Reiches Heil und Frommen
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Als Treiber sinnig man benützt;
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Was man an Sängern, Turnern, Schützen
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Und alten Kriegern laut beschwor,
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Das schwer bedrohte Reich zu stützen,
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Es legt sich erschöpft aufs Ohr.
 
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Wie thut nach all den Wahldepeschen,
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Nach dem Getute dumpf und hohl,
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Wie thut nach all dem Zungendreschen
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Die Ruhe und die Stille wohl!
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Zum Glück, ihr Herrn Kartellgenossen,
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War all’ die Mühe für die Katz.
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Ihr geht zerbläut, gerupft, begossen
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Und krumm und lendenlahm vom Platz.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.7 KB)

Details zum Gedicht „Ruhe nach dem Sturm“

Anzahl Strophen
5
Anzahl Verse
40
Anzahl Wörter
214
Entstehungsjahr
1890
Epoche
Realismus,
Naturalismus,
Moderne

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Ruhe nach dem Sturm“ des Autors Rudolf Lavant. Der Autor Rudolf Lavant wurde 1844 in Leipzig geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1890 zurück. Erschienen ist der Text in Stuttgart. Eine Zuordnung des Gedichtes zu den Epochen Realismus, Naturalismus oder Moderne kann auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Bitte überprüfe unbedingt die Richtigkeit der Angaben zur Epoche bei Verwendung. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Das vorliegende Gedicht umfasst 214 Wörter. Es baut sich aus 5 Strophen auf und besteht aus 40 Versen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Rudolf Lavant sind „An la belle France.“, „Bekenntnis“ und „Das Jahr“. Zum Autor des Gedichtes „Ruhe nach dem Sturm“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 96 Gedichte vor.

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