An mein Reitpferd von August Ernst von Steigentesch

O Thier, das schnell wie Wolkenflug
Mich oft zu Linas Küssen trug,
Dir Dank und Lohn zu geben
Soll dich mein Lied erheben.
 
Oft eiltest du bei Sturm und Nacht
Von ihr gewünscht, von ihr gedacht,
Auf dir bekannten Wegen
Der Wartenden entgegen.
 
Du schliefst im Gras, wenn leise sich
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Mein Schritt am Haus vorüberschlich,
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Um zwischen den Gesträuchen
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Im Garten hinzuschleichen.
 
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Wie schnell mich dort ihr Arm umfing,
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Wie glühend Lipp’ an Lippe hing,
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Um ewig unsre Seelen
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Im Kusse zu vermählen!
 
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Da floh die Nacht minutenschnell!
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Ein Blick von ihr so sanft, so hell,
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Ein Hauch aus ihrem Munde
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Beflügelte die Stunde.
 
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„Horch! dreimal brummt der Glocke Ton
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Sieh! Nacht und Sterne schwinden schon,
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Der Vollmond wiegt sich blässer
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Im schlafenden Gewässer.
 
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„Fort, fort! eh’ Argwohn und Verdacht
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Am Fenster lauscht, im Haus’ erwacht.
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Die Morgenlüfte wehen,
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Man darf dich hier nicht sehen.“
 
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Ich wand mich los, ich kam zurück,
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Mich hielt ihr Kuß, mich hielt ihr Blick,
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Ihr Arm, um mich gewunden,
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An diesen Ort gebunden.
 
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Dann fort zu dir, und Peitsch’ und Sporn
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Trieb dich durch Moor und Sumpf und Korn,
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Mit Phöbus ersten Pfeilen
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Dem Argwohn zu enteilen.
 
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Dein Sommer schwand, dein Feuer wich,
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Doch sollst du ruhig hier, wenn dich
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Des Winters Flocken färben.
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An meiner Krippe sterben.

Details zum Gedicht „An mein Reitpferd“

Anzahl Verse
10
Anzahl Zeilen
40
Anzahl Wörter
214
Entstehungsjahr
1799
Epoche
Klassik,
Romantik

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „An mein Reitpferd“ des Autoren August Ernst von Steigentesch. Im Jahr 1774 wurde Steigentesch in Hildesheim geboren. Im Jahr 1799 ist das Gedicht entstanden. Der Erscheinungsort ist Tübingen. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autoren her kann der Text den Epochen Klassik oder Romantik zugeordnet werden. Prüfe bitte vor Verwendung die Angaben zur Epoche auf Richtigkeit. Die Zuordnung der Epochen ist auf zeitlicher Ebene geschehen. Da sich Literaturepochen zeitlich überschneiden, ist eine reine zeitliche Zuordnung häufig mit Fehlern behaftet. Das 214 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 40 Zeilen mit insgesamt 10 Versen. August Ernst von Steigentesch ist auch der Autor für Gedichte wie „Erinnerung“, „Wiegenlied“ und „Wiegenlied“. Zum Autoren des Gedichtes „An mein Reitpferd“ haben wir auf abi-pur.de keine weiteren Gedichte veröffentlicht.

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