Philisterangst von Rudolf Lavant

Mit Leichenbittermienen schauen
Sie drein, wenn sich ein Wetter ballt;
Es faßt ihr Herz ein tiefes Grauen,
Wenn nah und fern der Donner hallt.
 
Sie halten angstbeklemmt den Schnabel,
Zuckt flammend auf der Blitze Schein,
Sie legen Messer weg und Gabel,
Und schal im Glase wird der Wein.
 
Wie ist es feig doch und erbärmlich,
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Wenn solche Furcht das Herz bewegt,
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Wie jammervoll und karg und ärmlich
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Sind solche Seelen angelegt, –
 
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Die ständig unter Angst und Beben
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Die purpurroten Wetter sehn,
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Die ab und zu durchs Völkerleben
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Befreiend und erlösend gehn.
 
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Es windet in loyalen Krämpfen
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Sich feig nur der geborene Knecht
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Vor jenen großen Heldenkämpfen
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Für ganzer Völker ew’ges Recht.
 
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Mir weitet atmend beim Gewitter
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In Mut und Hoffnung sich die Brust!
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Und geht ein Eichenstamm in Splitter,
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So jauchz ich auf in wilder Lust.
 
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Mich hat von allen jenen Wettern
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Das kleinste innerlich beglückt,
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Und jedes morschen Throns Zerschmettern
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Hat mich entflammet und entzückt.
 
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Und sänk ich selbst, ein wunder Streiter,
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Bedeckt von unsrer Fahnen Rot,
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Auf grünen Plan – was wär es weiter
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Als ein beneidenswerter Tod?
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.2 KB)

Details zum Gedicht „Philisterangst“

Anzahl Strophen
8
Anzahl Verse
32
Anzahl Wörter
180
Entstehungsjahr
nach 1860
Epoche
Realismus,
Naturalismus,
Moderne

Gedicht-Analyse

Rudolf Lavant ist der Autor des Gedichtes „Philisterangst“. Lavant wurde im Jahr 1844 in Leipzig geboren. Zwischen den Jahren 1860 und 1915 ist das Gedicht entstanden. Erscheinungsort des Textes ist Berlin. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her kann der Text den Epochen Realismus, Naturalismus, Moderne, Expressionismus oder Avantgarde / Dadaismus zugeordnet werden. Die Richtigkeit der Epochen sollte vor Verwendung geprüft werden. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Da es keine starren zeitlichen Grenzen bei der Epochenbestimmung gibt, können hierbei Fehler entstehen. Das 180 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 32 Versen mit insgesamt 8 Strophen. Rudolf Lavant ist auch der Autor für Gedichte wie „An die alte Raketenkiste“, „An unsere Feinde“ und „An unsere Gegner“. Zum Autor des Gedichtes „Philisterangst“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 96 Gedichte vor.

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