Ode an Herrn Professor Zachariae von Johann Wolfgang von Goethe

Schon wälzen schnelle Räder rasselnd sich und tragen
Dich von dem unbedau’rten Ort’,
Und angekettet fest an deinem Wagen
Die Freude mit dir fort.
 
Du bist uns kaum entwichen, und schwermüthig ziehen
Aus dumpfen Höhlen [denn dahin
Flohn sie bey deiner Ankunft, wie für’m Glühen
Der Sonne Nebel fliehn]
 
Verdruß und Langeweile. Wie die Stymphaliden
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Umschwärmen sie den Tisch, und sprühn
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Von ihren Fittigen Gift unserm Frieden
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Auf alle Speisen hin.
 
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Wo ist sie zu verscheuchen unser güt’ger Retter,
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Der Venus vielgeliebter Sohn,
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Apollo’s Liebling, Liebling aller Götter?
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Bebt! Er ist uns entflohn
 
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O gäb er mir die Stärke seine mächt’ge Leyer
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Zu schlagen, die Apoll ihm gab;
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Ich rührte sie, dann flöhn die Ungeheuer
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Erschrökt zur Höll’ hinab.
 
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O leih’ mir, Sohn der Maja, deiner Ferse Schwingen,
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Die du sonst Sterblichen geliehn;
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Sie reissen mich aus diesem Elend, bringen
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Mich nach der Okker hin.
 
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Dann folg’ ich ohnerwartet einstens ihm am Flusse;
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Jedoch so wenig staunet er,
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Als gieng ihm, angeheftet seinem Fuße,
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Sein Schatten hinter her.
 
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Von ihm dann unzertrennlich wärmt den jungen Busen
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Der Glanz, der glorreich ihn umgiebt.
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Er liebet mich, dann lieben mich die Musen,
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Weil mich ihr Liebling liebt.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.7 KB)

Details zum Gedicht „Ode an Herrn Professor Zachariae“

Anzahl Strophen
8
Anzahl Verse
32
Anzahl Wörter
200
Entstehungsjahr
1767
Epoche
Sturm & Drang,
Klassik

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichtes „Ode an Herrn Professor Zachariae“ ist Johann Wolfgang von Goethe. Im Jahr 1749 wurde Goethe in Frankfurt am Main geboren. Das Gedicht ist im Jahr 1767 entstanden. Erscheinungsort des Textes ist Leipzig. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht den Epochen Sturm & Drang oder Klassik zuordnen. Bei Goethe handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen.

Der Sturm und Drang (häufig auch Geniezeit oder Genieperiode genannt) ist eine literarische Epoche, welche zwischen 1765 und 1790 existierte und an die Empfindsamkeit anknüpfte. Später ging sie in die Klassik über. Der Literaturepoche des Sturm und Drang geht die Epoche der Aufklärung voran. Die Ideale und Ziele der Aufklärung wurden verworfen und es begann ein Auflehnen gegen die Prinzipien der Aufklärung und das gesellschaftliche System. Die Vertreter der Epoche des Sturm und Drang waren häufig Schriftsteller im jungen Alter, die sich gegen die vorherrschende Strömung der Aufklärung wandten. Um die persönlichen Empfindungen des lyrischen Ichs zum Ausdruck zu bringen, wurde insbesondere darauf geachtet eine geeignete Sprache zu finden und in den Gedichten einzusetzen. Es wurde eine eigene Jugendsprache und Jugendkultur mit kraftvollen Ausdrücken, Ausrufen, Halbsätzen und Wiederholungen geschaffen. Die alten Werke vorangegangener Epochen wurden geschätzt und dienten als Inspiration. Mit seinen beiden wichtigen Vertretern Goethe und Schiller entwickelte sich der Sturm und Drang weiter und ging in die Weimarer Klassik über.

Auf zeitlicher Ebene lässt sich die Weimarer Klassik mit Goethes Italienreise im Jahr 1786 und mit Goethes Tod 1832 eingrenzen. Zwei gegensätzliche Anschauungen hatten das 18. Jahrhundert bewegt. Die Aufklärung und die gefühlsbetonte Strömung Sturm und Drang. Die Weimarer Klassik ist eine Verschmelzung dieser beiden Elemente. Die Weimarer Klassik wird oft nur als Klassik bezeichnet. Beide Bezeichnungen werden in der Literatur genutzt. Statt auf Konfrontation und Widerspruch wie noch in der Aufklärung oder im Sturm und Drang strebte die Klassik nach Harmonie. Die wichtigsten Werte sind Toleranz und Menschlichkeit. Die Klassik orientierte sich an klassischen Vorbildern aus der Antike. Ziel der Klassik war es die ästhetische Erziehung des Menschen zu einer „charakterschönen“ Persönlichkeit voranzutreiben. In der Gestaltung wurde das Gesetzmäßige, Wesentliche, Gültige sowie der Ausgleich und die Harmonie gesucht. Im Gegensatz zum Sturm und Drang, wo die Sprache oftmals derb und roh ist, bleibt die Sprache in der Weimarer Klassik den sich selbst gesetzten Regeln treu. Die Hauptvertreter der Weimarer Klassik sind Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Gottfried Herder und Christoph Martin Wieland. Einen künstlerischen Austausch im Sinne einer gemeinsamen Arbeit gab es jedoch nur zwischen Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller.

Das vorliegende Gedicht umfasst 200 Wörter. Es baut sich aus 8 Strophen auf und besteht aus 32 Versen. Johann Wolfgang von Goethe ist auch der Autor für Gedichte wie „An die Entfernte“, „An die Günstigen“ und „An einen jungen Prahler“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Ode an Herrn Professor Zachariae“ weitere 1612 Gedichte vor.

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