Nox portentis gravida von Hugo von Hofmannsthal

In hohen Bäumen ist ein Nebelspiel,
Und drei der schönen Sterne funkeln nah:
Die Hyazinthen an der dunkeln Erde
Erinnern sich, daß hier geschehen werde,
Was früher schon und öfter wohl geschah:
Daß Hermes und die beiden Dioskuren,
Funkelnd vor Übermut, die luftigen Spuren
Der windgetragenen Grazien umstellen
Und spielend, mit der Grausamkeit der Jagd,
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Sie aus den Wipfeln scheuchen, ja die Wellen
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Des Flusses nahe treiben, bis es tagt.
 
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Der Dichter hat woanders seinen Weg,
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Und mit den Augen der Meduse schauend
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Sieht er das umgelegene fahle Feld
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Sogleich entrückt und weiß nicht, wie es ist,
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Und fügt es andern solchen Orten zu,
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Wo seine Seele wie ein Kind verstellt,
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Ein Dasein hat von keiner sichern Frist
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In Adlersluft und abgestorbner Ruh.
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Dort streut er ihr die Schatten und die Scheine
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Der Erdendinge hin und Edelsteine.
 
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Den dritten Teil des Himmels aber nimmt
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Die Wolke ein von solcher Todesschwärze,
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Wie sie die Seele dessen anfällt, der
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Durch Nacht den Weg sich sucht mit einer Kerze:
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Die Wolke, die hinzog am nächsten Morgen,
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Mit Donnerschlag von tausenden Gewittern
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Und blauem Lichte stark wie nahe Sonnen
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Und schauerlichem Sturz von heißen Steinen,
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Die Insel heimzusuchen, wo das Zittern
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Aufblühen ließ die wundervollsten Wonnen;
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Vor ungeheurer Angst erstorbenes Weinen
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Der Kaufpreis war: daß in verstörten Gärten,
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Die nie sich sahen, sich fürs Leben fanden
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Und trunken sterbend, Rettung nicht begehrten;
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Daß Gott entsprang den Luft- und Erdenbanden,
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Verwaiste Kinder gleich Propheten glühten
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Und alle Seelen wie die Sterne blühten.
Arbeitsblatt zum Gedicht
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Details zum Gedicht „Nox portentis gravida“

Anzahl Strophen
3
Anzahl Verse
38
Anzahl Wörter
247
Entstehungsjahr
1896
Epoche
Moderne

Gedicht-Analyse

Hugo von Hofmannsthal ist der Autor des Gedichtes „Nox portentis gravida“. Der Autor Hugo von Hofmannsthal wurde 1874 in Wien geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1896 zurück. Der Erscheinungsort ist Leipzig. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her kann der Text der Epoche Moderne zugeordnet werden. Hofmannsthal ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das Gedicht besteht aus 38 Versen mit insgesamt 3 Strophen und umfasst dabei 247 Worte. Die Gedichte „Die beiden“, „Ein Knabe“ und „Ein Traum von großer Magie“ sind weitere Werke des Autors Hugo von Hofmannsthal. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Nox portentis gravida“ weitere 40 Gedichte vor.

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