Novemberabend von Paul Boldt
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Es weht. Das Abendgold ist eine Fahne, |
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Die von den Winden schon erbeutet wird. |
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Ein etwas Herbst in der Platane, |
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Ein gelles Chrom verweht, verwird. |
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In Wolken gleich verkohlten Stämmen |
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Riecht man die tote Sonne noch; |
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Dann das Einatmen, Drängen, Dämmen — |
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Einsamkeiten kommen hoch. |
Details zum Gedicht „Novemberabend“
Paul Boldt
2
8
44
1914
Moderne,
Expressionismus
Gedicht-Analyse
Das Gedicht „Novemberabend“ wurde von dem deutschen Expressionisten Paul Boldt verfasst, der von 1885 bis 1921 lebte. Damit fällt sein Werk in die frühe Phase des 20. Jahrhunderts.
Beim ersten Lesen des Gedichts fühlt man sofort die melancholische und düstere Atmosphäre, die für den November typisch sind. Die Landschaft scheint in den Anfängen der kalten Jahreszeit einzufrieren, und es wird ein Gefühl der Einsamkeit und Abgeschiedenheit vermittelt.
Inhaltlich beschreibt das lyrische Ich in „Novemberabend“ eine herbstliche, vergängliche Landschaft. Das goldene Licht des Abends wird als Fahne dargestellt, die vom Wind geraubt wird. Die Bäume verlieren ihr Laub und wirken wie Kohle verbrannte Stämme, und die Sonne scheint bereits tot zu sein. Dieses Bild der Natur im Herbst steht für Vergänglichkeit und Tod. Das lyrische Ich vermittelt seine eigene innere Leere und Einsamkeit und bringt diese mit der Natur in Zusammenhang.
Im Hinblick auf die Form lässt sich sagen, dass das Gedicht aus zwei vierzeiligen Strophen besteht. Die relativ kurze Dichtform wird genutzt, um die Gefühle des lyrischen Ichs auf den Punkt zu bringen und gleichzeitig Raum für Interpretationen zu lassen.
Die Sprache des Gedichts ist gekennzeichnet durch metaphorische und lyrische Bilder. So wird das Abendgold als Fahne personifiziert, die vom Wind geraubt wird, und die Bäume werden mit verkohlten Stämmen verglichen. Die Sonne, die in der Regel Wärme und Leben symbolisiert, wird als tot beschrieben, was die düstere Stimmung unterstreicht. Darüber hinaus verwendet Boldt das Verb „verwehen“ im Kontext von Farbe (gelles Chrom), was eine ungewöhnliche Konnotation hervorruft und auf den Vergänglichkeitsaspekt des Herbstes hinweist.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Novemberabend“ ein typisches expressionistisches Gedicht ist, das die melancholische Stimmung und das Gefühl der Einsamkeit der Figur in der herbstlichen Landschaft widerspiegelt. Boldts kreative und poetische Sprache trägt dazu bei, diese Gefühle lebendig zu machen und dem Leser nahe zu bringen.
Weitere Informationen
Der Autor des Gedichtes „Novemberabend“ ist Paul Boldt. Im Jahr 1885 wurde Boldt in Christfelde bei Preußisch-Friedland (Westpreußen) geboren. 1914 ist das Gedicht entstanden. Der Erscheinungsort ist Leipzig. Eine Zuordnung des Gedichtes zu den Epochen Moderne oder Expressionismus kann aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Basis geschehen. Bitte überprüfe unbedingt die Richtigkeit der Angaben bei Verwendung. Das vorliegende Gedicht umfasst 44 Wörter. Es baut sich aus 2 Strophen auf und besteht aus 8 Versen. Weitere Werke des Dichters Paul Boldt sind „Abendavenue“, „Adieu Mädchenlachen!“ und „Andere Jüdin“. Zum Autor des Gedichtes „Novemberabend“ haben wir auf abi-pur.de weitere 49 Gedichte veröffentlicht.
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