Nah und fern von Theodor Fontane

Wenn die Wolken vielgestaltig
Sich am Horizonte dehnen,
Ueberkommt uns allgewaltig
Ihnen nach ein tiefes Sehnen.
 
Aber wenn die stolzen Züge
Sich zur Erde niederlassen,
War ihr Zauber – eitle Lüge,
Sind es graue Nebelmassen.
 
Wenig läßt die Nähe gelten,
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Tausend Reize hat die Ferne:
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Selbst die lichtesärmsten Welten,
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Wandelt sie – in helle Sterne.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (23.8 KB)

Details zum Gedicht „Nah und fern“

Anzahl Strophen
3
Anzahl Verse
12
Anzahl Wörter
53
Entstehungsjahr
1851
Epoche
Realismus

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Nah und fern“ stammt vom deutschen Schriftsteller Theodor Fontane, der von 1819 bis 1898 lebte. Seine Arbeiten sind hauptsächlich dem 19. Jahrhundert zuzuordnen, einer Zeit, die als Zeitalter des Realismus in der Literatur bekannt ist. Beim ersten Lesen erzeugt das Gedicht einen melancholisch-wolkenverhangenen Eindruck, es scheint um die Unterschiede zwischen nah und fern und um Illusion und Realität zu gehen.

Inhaltlich kreist das Gedicht um das menschliche Streben und Sehnen sowie um die oftmals trügerische Wirklichkeit. In der ersten Strophe drückt das lyrische Ich sein tiefes Sehnen aus, wenn es auf die Wolken blickt, die am Horizont ihre Formen ändern. In der zweiten Strophe, jedoch, wenn die Wolken näher kommen und sich zur Erde niederlassen, zerfällt die anfängliche Begeisterung und Faszination. Die prächtigen Wolkenformationen sind nichts weiter als graue Nebelmassen, der Zauber war nur eine Illusion.

Die dritte Strophe bringt eine klare Botschaft hervor: Das lyrische Ich glaubt, dass die Ferne tausend Reize hat, während die Nähe nur wenig zu bieten hat. Selbst die schwächsten Lichter werden in der Ferne zu hellen Sternen. Hier scheint Fontane eine menschliche Neigung zu kritisieren, nämlich das idealisierte Streben nach dem Unbekannten und Fernen, während das Naheliegende und Wohlbekannte oft als weniger attraktiv wahrgenommen wird.

Formal besteht das Gedicht aus drei vierzeiligen Strophen, was eine klare und übersichtliche Struktur ergibt. Fontane nutzt hier eine einfache und verständliche Sprache, die dennoch Raum für tiefergehende Interpretationen lässt. Der kontrastreiche Inhalt und die eindrückliche Sprache machen „Nah und fern“ zu einem eindringlichen Gedicht, das den Leser dazu anregt, seine eigenen Werte und Sehnsüchte zu hinterfragen.

Weitere Informationen

Der Autor des Gedichtes „Nah und fern“ ist Theodor Fontane. Im Jahr 1819 wurde Fontane in Neuruppin geboren. Im Jahr 1851 ist das Gedicht entstanden. Erscheinungsort des Textes ist Berlin. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her kann der Text der Epoche Realismus zugeordnet werden. Bei dem Schriftsteller Fontane handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das vorliegende Gedicht umfasst 53 Wörter. Es baut sich aus 3 Strophen auf und besteht aus 12 Versen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Theodor Fontane sind „Aber es bleibt auf dem alten Fleck“, „Afrikareisender“ und „Alles still!“. Zum Autor des Gedichtes „Nah und fern“ haben wir auf abi-pur.de weitere 214 Gedichte veröffentlicht.

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