Nachtgespenst von Marie Eugenie Delle Grazie

Ich lag in holden Traumes Bann:
Blau durch die Scheiben quoll
Des Mondes Licht und überrann
Die Wände zaubervoll;
Und schuf im Nu ein Märchenland,
Der Sehnsucht lockend nah –
Was jemals ich begehrt, es stand
In seinem Schimmer da;
Ein Schritt nur – und ich schwelgte d’rin!
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Ein Griff – und es war mein!
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Und schwindelnd fuhr’s mir durch den Sinn:
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„Das Glück! Nimm’s, es ist dein!“
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Da schlich sich an mein Lager sacht
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Ein bleiches Grau’ngesicht,
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Mit Augen, trostlos wie die Nacht,
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Wenn sie kein Stern durchbricht;
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Mit Händen, eifrig, grabesschwer
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Und lastend, hart wie Erz,
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Und diese Hände preßte er,
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Der Unhold, mir auf’s Herz;
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Bis Wunsch und Kraft und Wille floh
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Und starb in dumpfer Ruh’,
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Dann nickte er: „Ich will es so!
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Nun Menschlein – träume zu!“

Details zum Gedicht „Nachtgespenst“

Anzahl Strophen
1
Anzahl Verse
24
Anzahl Wörter
133
Entstehungsjahr
1892
Epoche
Realismus

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Nachtgespenst“ stammt aus der Feder der Autorin bzw. Lyrikerin Marie Eugenie Delle Grazie. Delle Grazie wurde im Jahr 1864 in Weißkirchen (Bela Crkva) geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1892 zurück. In Leipzig ist der Text erschienen. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten der Autorin lassen eine Zuordnung zur Epoche Realismus zu. Bei Delle Grazie handelt es sich um eine typische Vertreterin der genannten Epoche. Das 133 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 24 Versen mit nur einer Strophe. Die Dichterin Marie Eugenie Delle Grazie ist auch die Autorin für Gedichte wie „Addio“, „Addio a Capri“ und „Apoll vom Belvedere“. Auf abi-pur.de liegen zur Autorin des Gedichtes „Nachtgespenst“ weitere 71 Gedichte vor.

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