Museumsschweigen von Joachim Ringelnatz

Wie’s Gedanken gibt,
Die durch Stein und Welten gehn,
Kann’s geschehn,
Daß die Fliege den Ichthyosaurus liebt.
 
Still ist’s im Museumssaal.
 
„Lieber Freund, ich liege
Fest in Bernstein“, sagt die Fliege,
„Bernstein ist ein Mineral.
Und ich liebe dich, du Riesenexemplar,
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Und ich möchte deinetwegen
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Nur noch einmal Eier legen.“
 
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„Bernstein?
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Kann gern sein“,
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Sagt das Ichthyosau,
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„Aber ich bin auch eine Frau,
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Eine sehr entschlossene sogar.
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Weil ich noch in dem Momente,
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Als gewisse Elemente
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Mich erstickten, noch ein Kind halb gebar.“
 
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„Eier oder lebendig – –“,
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Sagt die Fliege, „Wir wohnen
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Beide auf der Welt seit Millionen
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Jahren. – Wissen Sie die Zahl noch auswendig?“
 
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„Nicht so ganz genau“,
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Sagt Frau Ichthyosau,
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„Aber wollen wir doch nicht sentimental
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Flöten oder winseln.
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Nein, versuchen wir jetzt wieder einmal,
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Ganz verliebt einander anzublinzeln.“
 
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Da betrat den Museumssaal
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Der pensionsberechtigte Museumswärter.
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Und da blinzelten die beiden nicht.
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Denn solch Wärter
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Tut eben seine Pflicht
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Und schürft nicht tiefer.
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Denn Beamtenpflicht ist härter
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Als Bernstein und Schiefer.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.4 KB)

Details zum Gedicht „Museumsschweigen“

Anzahl Strophen
7
Anzahl Verse
37
Anzahl Wörter
165
Entstehungsjahr
1929
Epoche
Moderne,
Expressionismus

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Museumsschweigen“ des Autors Joachim Ringelnatz. Geboren wurde Ringelnatz im Jahr 1883 in Wurzen. 1929 ist das Gedicht entstanden. Erschienen ist der Text in Berlin. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht den Epochen Moderne oder Expressionismus zuordnen. Bei dem Schriftsteller Ringelnatz handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen. Das Gedicht besteht aus 37 Versen mit insgesamt 7 Strophen und umfasst dabei 165 Worte. Weitere Werke des Dichters Joachim Ringelnatz sind „Abschied von Renée“, „Abschiedsworte an Pellka“ und „Afrikanisches Duell“. Zum Autor des Gedichtes „Museumsschweigen“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 560 Gedichte vor.

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