Mondscheintrunkne Lindenblüthen von Heinrich Heine
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„Mondscheintrunkne Lindenblüthen, |
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Sie ergießen ihre Düfte, |
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Und von Nachtigallenliedern |
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Sind erfüllet Laub und Lüfte. |
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„Lieblich läßt es sich, Geliebter, |
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Unter dieser Linde sitzen, |
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Wenn die goldnen Mondeslichter |
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Durch des Baumes Blätter blitzen. |
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„Sieh dies Lindenblatt! du wirst es |
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Wie ein Herz gestaltet finden; |
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Darum sitzen die Verliebten |
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Auch am liebsten unter Linden. |
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„Doch du lächelst, wie verloren |
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In entfernten Sehnsuchtträumen – |
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Sprich, Geliebter, welche Wünsche |
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Dir im lieben Herzen keimen?“ |
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Ach, ich will es dir, Geliebte, |
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Gern bekennen, ach, ich möchte, |
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Daß ein kalter Nordwind plötzlich |
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Weißes Schneegestöber brächte; |
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Und daß wir, mit Pelz bedecket |
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Und im buntgeschmückten Schlitten, |
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Schellenklingelnd, Peitschenknallend, |
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Ueber Fluß und Fluren glitten. |
Details zum Gedicht „Mondscheintrunkne Lindenblüthen“
Heinrich Heine
6
24
105
1844
Junges Deutschland & Vormärz
Gedicht-Analyse
Das Gedicht „Mondscheintrunkne Lindenblüthen“ wurde von Heinrich Heine verfasst, einem der bedeutendsten deutschen Dichter des 19. Jahrhunderts.
Der erste Eindruck vermittelt eine romantische Atmosphäre, die durch die Natursymbolik und eine liebevolle Interaktion zwischen zwei Liebenden unterstrichen wird. Bei den beschriebenen Motiven handelt es sich um klassische Symbole der Romantik: die Nachtigall, der Mond, die Linde und ihre Blätter, der Schnee.
Im Gedicht spricht das lyrische Ich, vermutlich ein Mann, zur Geliebten. Er beschreibt das romantische, nächtliche Szenario, in dem sie sich befinden: Unter einer Linde sitzen sie, umgeben vom Duft der Lindenblüten, vom Mondlicht und vom Gesang der Nachtigallen. Dabei macht er auf die Form der Lindenblätter, die wie Herzen geformt sind, aufmerksam und interpretiert sie als Symbol für die Liebe. Im letzten Teil seines Gedichts offenbart das lyrische Ich jedoch einen unerwarteten Wunsch: Es möchte, dass plötzlich Winter wird, so dass sie gemeinsam mit Pelz bedeckt durch die verschneite Landschaft schlittenfahren können, was wohl einerseits eine Metapher für die Flucht von der Realität sein könnte, andererseits aber auch eine Abenteuerlust und Heiterkeit andeutet, die in ihrer momentanen romantischen Idylle vielleicht fehlt.
Das Gedicht schreibt sich in einer klaren, verständlichen Sprache, wenngleich es durch seine bildhafte Vorstellungskraft auch eine gewisse Komplexität aufweist. Die Gedichtform ist durch Reime geprägt, die das Lesen des Gedichts angenehm und harmonisch machen, und jede Strophe besteht aus vier Versen. Die ersten vier Strophen folgen einem konkreten Muster (ABAB), während in den letzten beiden Strophen (ABCDEE) der Fokus auf einer Veränderung liegt und die zuvor etablierte Struktur durch einen neuen Reim (E) unterbrochen wird. Dies spiegelt die plötzliche Änderung der Stimmung und des Inhaltes des Gedichts wider, wenn das lyrische Ich seinen Winterwunsch zum Ausdruck bringt.
Weitere Informationen
Das Gedicht „Mondscheintrunkne Lindenblüthen“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Heinrich Heine. Im Jahr 1797 wurde Heine in Düsseldorf geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1844. Das Gedicht lässt sich anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her der Epoche Junges Deutschland & Vormärz zuordnen. Bei dem Schriftsteller Heine handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das vorliegende Gedicht umfasst 105 Wörter. Es baut sich aus 6 Strophen auf und besteht aus 24 Versen. Der Dichter Heinrich Heine ist auch der Autor für Gedichte wie „Ach, ich sehne mich nach Thränen“, „Ach, wenn ich nur der Schemel wär’“ und „Ahnung“. Zum Autor des Gedichtes „Mondscheintrunkne Lindenblüthen“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 535 Gedichte vor.
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