Mit einem japanischen Gott von Kurt Tucholsky

Da hockt der dicke Gott und grinst,
der schwere Bauch in düstern Falten …
und über des Geschickes Walten
sitzt jener ruhig da und blinzt …
 
O Wandrer, lüfte deinen Hut!
Denn dieser strebt zum Idealen.
Was weiß er von des Denkens Qualen?
Er existiert und damit gut!
Arbeitsblatt zum Gedicht
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Details zum Gedicht „Mit einem japanischen Gott“

Anzahl Strophen
2
Anzahl Verse
8
Anzahl Wörter
46
Entstehungsjahr
1919
Epoche
Literatur der Weimarer Republik / Neue Sachlichkeit,
Exilliteratur

Gedicht-Analyse

Das vorliegende Gedicht „Mit einem japanischen Gott“ wurde von Kurt Tucholsky verfasst, einem deutschen Journalisten und Schriftsteller. Tucholsky lebte von 1890 bis 1935, was das Gedicht in die Anfang des 20. Jahrhunderts einordnet, einer Zeit, die bekannt ist für gesellschaftliche Umbrüche und neue philosophische Ideen.

Der erste Eindruck des Gedichts ist geheimnisvoll, aber friedvoll. Es beschreibt den japanischen Buddha, einen sitzenden, dicken und lächelnden Gott mit einem schweren Bauch und gedunsenen Augen. Der Gott existiert einfach - ohne konkrete Gedanken oder Sorgen.

Inhaltlich beschreibt das lyrische Ich den Gott als ruhig und friedvoll – ohne Sorgen oder Selbstzweifel. Der Gott strebt nach dem Ideal, einfach zu existieren und nicht nach irgendwelchen philosophischen oder komplexen Gedanken zu suchen. Das lyrische Ich informiert den Wanderer (der möglicherweise auch ein Symbol für den durchschnittlichen Leser oder die durchschnittliche Person sein könnte), seinen Hut zu lüften (eine Geste des Respekts) für diese einfache, aber ideale Existenz.

Formal besteht das Gedicht aus zwei vierzeiligen Strophen, in denen der Rhythmus und das Reimschema einfach und direkt ist. Dies dient dem Gesamtton des Gedichts, der Einfachheit und Direktheit. In Bezug auf die Sprache verwendet das Gedicht einfache, klare Worte und Sätze. Einige Metaphern und Bilder werden verwendet, hauptsächlich um den Gott zu beschreiben. Aber diese Bilder sind auch einfach und ohne doppelte Bedeutung.

Zusammenfassend scheint das lyrische Ich in Tucholskys Gedicht die Idee zu befürworten, dass es heilig und ideal ist, einfach zu existieren, ohne die Notwendigkeit komplexer Gedanken oder Fragen. Es scheint eine Kritik an der übermäßigen Komplexität und dem unnötigen Stress des modernen menschlichen Lebens zu sein und empfiehlt stattdessen eine einfache, stressfreie Existenz, symbolisiert durch den japanischen Gott.

Weitere Informationen

Kurt Tucholsky ist der Autor des Gedichtes „Mit einem japanischen Gott“. 1890 wurde Tucholsky in Berlin geboren. Im Jahr 1919 ist das Gedicht entstanden. Erscheinungsort des Textes ist Charlottenburg. Eine Zuordnung des Gedichtes zu den Epochen Literatur der Weimarer Republik / Neue Sachlichkeit oder Exilliteratur kann aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Bei dem Schriftsteller Tucholsky handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen.

In der Literatur der Weimarer Republik wurden inhaltlich häufig die Ereignisse des Ersten Weltkrieges verarbeitet. Sowohl der Erste Weltkrieg als auch die späteren politischen Gegebenheiten der Weimarer Republik sind prägende Faktoren für diese Epoche. Bei der Neuen Sachlichkeit war der Inhalt der Texte wichtiger als die Form. Die Schreiber dieser Bewegung wollten mit ihren Texten möglichst viele Menschen aus allen sozialen Schichten ansprechen. Aus diesem Grund wurden die Texte in einer alltäglichen Sprache verfasst und wurden oft im Stile einer dokumentarisch-exakten Reportage geschrieben. Viele Schriftsteller litten unter der Zensur in der Weimarer Republik. Im Jahr 1922 wurde nach einem Attentat auf den Reichsaußenminister das Republikschutzgesetz erlassen, das die zunächst verfassungsmäßig garantierte Freiheit von Wort und Schrift in der Weimarer Republik deutlich einschränkte. In der Praxis wurde dieses Gesetz allerdings nur gegen linke Autoren angewandt. Aber gerade die rechts gerichteten Schriftsteller waren es häufig, die in ihren Werken offen Gewalt verherrlichten. Die Grenzen der Zensur wurden im Jahr 1926 durch das sogenannte Schund- und Schmutzgesetz nochmals verstärkt. Die Beschlagnahmung von Schriften und das Verbot von Zeitungen wurden durch die Pressenotverordnung im Jahr 1931 ermöglicht.

Als Exilliteratur wird die Literatur von Schriftstellern bezeichnet, die unfreiwillig Zuflucht in der Fremde suchen müssen, weil ihre Person oder ihr Werk im Heimatland bedroht sind. Für die Flucht ins Exil geben meist religiöse oder politische Gründe den Ausschlag. Die Exilliteratur in Deutschland entstand in den Jahren von 1933 bis 1945 als Literatur der Gegner des Nationalsozialismus. Dabei spielten insbesondere die Bücherverbrennungen am 10. Mai 1933 und der deutsche Überfall auf die Nachbarstaaten Deutschlands in den Jahren 1938/39 eine ausschlaggebende Rolle. Die Exilliteratur bildet eine eigene Literaturepoche in der deutschen Literaturgeschichte. Sie schließt an die Neue Sachlichkeit der Weimarer Republik an. Die Exilliteratur lässt sich insbesondere an den thematischen Schwerpunkten wie Sehnsucht nach der Heimat, Widerstand gegen Nazi-Deutschland oder Aufklärung über den Nationalsozialismus ausmachen. Spezielle formale Merkmale weist die Exilliteratur nicht auf. Die Exilliteratur weist häufig einen Pluralismus der Stile (Expressionismus, Realismus), eine kritische Betrachtung der Wirklichkeit und eine Distanz zwischen Werk und Leser oder Publikum auf. Sie hat häufig die Absicht zur Aufklärung und möchte gesellschaftliche Entwicklungen aufzeigen (wandelnder Mensch, Abhängigkeit von der Gesellschaft).

Das Gedicht besteht aus 8 Versen mit insgesamt 2 Strophen und umfasst dabei 46 Worte. Die Gedichte „Abschied von der Junggesellenzeit“, „Achtundvierzig“ und „All people on board!“ sind weitere Werke des Autors Kurt Tucholsky. Zum Autor des Gedichtes „Mit einem japanischen Gott“ haben wir auf abi-pur.de weitere 136 Gedichte veröffentlicht.

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