Mein harmlos Lied von Joachim Ringelnatz

In einem Untertäßchen
Voll Schnee und Rosenlikör
Erwachte das kleine Prinzeßchen.
 
Noch ganz verschlafen und ohne Gehör
Gewahrte sie mit Erröten
Auf ihren niedlichen Brüsten
Sechsundvierzig breite Warzenkröten,
Die sich gegenseitig auf den Podex küßten.
Und schrie, als sie sowas erblickte:
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„Pfui Keks!“ Woran sie erstickte.
 
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Und nun ist in jeder Zeitung zu lesen:
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Sie sei ein großer Schweinigel gewesen.
Arbeitsblatt zum Gedicht
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Details zum Gedicht „Mein harmlos Lied“

Anzahl Strophen
3
Anzahl Verse
12
Anzahl Wörter
60
Entstehungsjahr
1924
Epoche
Moderne,
Expressionismus

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Mein harmlos Lied“ wurde von Joachim Ringelnatz verfasst, der von 1883 bis 1934 lebte. Ringelnatz ist bekannt für seine humorvollen und teils absurden Texte, die stark durch die Kabarettkultur der Weimarer Republik geprägt waren.

Auf den ersten Blick handelt das Gedicht von einem kleinen Prinzesschen, das auf humorvolle und groteske Weise einen unerwarteten Tod erlebt. Sie erwacht in einem Untertässchen voll Schnee und Rosenlikör und entdeckt 46 breite Warzenkröten auf ihrer Brust. Diese surreale Szene führt zu einem Ausbruch von Abscheu, bei dem sie an einem Keks erstickt. Am Ende verändert sich das Bild des kleinen Prinzesschens dramatisch, als in Zeitungen behauptet wird, sie sei ein großer Schweinigel gewesen.

Thematisch kann man das Gedicht als ironische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen und der Doppelzüngigkeit von Medien und Öffentlichkeit sehen. Die Rolle des unschuldigen Prinzesschens wird subversiv durch die groteske Darstellung ihrer körperlichen Reaktion auf die Kröten und ihren unerwarteten Tod untergraben. Die abschließende Demütigung durch die Medien könnte eine Kritik an öffentlichen Rufmorden und dem Sensationsjournalismus sein.

Formal besteht das Gedicht aus drei Strophen unterschiedlicher Länge mit insgesamt 12 Versen. Die Sprache ist einfacher Alltagssprache mit humoristischen und grotesken Elementen. Trotz des makaberen Inhalts wirkt das Gedicht durch seinen skurrilen Humor eher heiter und absurd. Dies steht in starker Kontrast zur Ernsthaftigkeit und Tragik der zugrunde liegenden Themen, was die Ironie und den satirischen Charakter des Gedichts hervorhebt. Beispiele für Ringelnatz typischen Wortwitz sind Wortspiele und Neologismen wie „Schweinigel“ oder „Warzenkröten“.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ringelnatz in diesem Gedicht auf satirische Weise mit gesellschaftlichen Erwartungen und Normen spielt und damit die Doppelzüngigkeit der Medien und Öffentlichkeit kritisiert.

Weitere Informationen

Das Gedicht „Mein harmlos Lied“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Joachim Ringelnatz. Der Autor Joachim Ringelnatz wurde 1883 in Wurzen geboren. 1924 ist das Gedicht entstanden. München ist der Erscheinungsort des Textes. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht den Epochen Moderne oder Expressionismus zuordnen. Ringelnatz ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen. Das 60 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 12 Versen mit insgesamt 3 Strophen. Joachim Ringelnatz ist auch der Autor für Gedichte wie „Abendgebet einer erkälteten Negerin“, „Abermals in Zwickau“ und „Abgesehen von der Profitlüge“. Zum Autor des Gedichtes „Mein harmlos Lied“ haben wir auf abi-pur.de weitere 560 Gedichte veröffentlicht.

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