Mein Wannenbad von Joachim Ringelnatz

Es muß wieder mal sein.
Also: Ich steige hinein
In zirka zwei Kubikmeter See.
Bis übern Bauch tut es weh.
Das Hähnchen plätschert in schamlosem Ton,
Ich atme und schnupfe den Fichtenozon,
Beobachte, wie die Strömung läuft,
Wie dann clam, langsam mein Schwamm sich besäuft.
Und ich ersäufe, um allen Dürsten
10 
Gerecht zu werden, verschiedene Bürsten.
11 
Ich seife, schrubbe, ich spüle froh.
12 
Ich suche auf Ausguck
13 
Vergebens nach einem ertrinkenden Floh,
14 
Doch fort ist der Hausjuck.
15 
Ich lehne mich weit und tief zurück,
16 
Genieße schaukelndes Möwenglück.
17 
Da taucht aus der blinkenden Fläche, wie
18 
Eine Robinsoninsel, plötzlich ein Knie;
19 
Dann – massig – mein Bauch – eines Walfisches Speck.
20 
Und nun auf Wellen (nach meinem Belieben
21 
Herangezogen, davongetrieben),
22 
Als Wogenschaum spielt mein eigenster Dreck
23 
Und da auf dem Gipfel neptunischer Lust,
24 
Klebt sich der Waschlappen mir an die Brust.
25 
Brust, Wanne und Wände möchten zerspringen,
26 
Denn ich beginne nun, dröhnend zu singen
27 
Die allerschwersten Opernkaliber.
28 
Das Thermometer steigt über Fieber,
29 
Das Feuer braust, und der Ofen glüht,
30 
Aber ich bin schon so abgebrüht,
31 
Daß mich gelegentlich Explosionen –
32 
– Wenn’s an mir vorbeigeht – –
33 
Erfreun, weil manchmal dabei was entzweigeht,
34 
Was Leute betrifft, die unter mir wohnen.
35 
Ich lasse an verschiedenen Stellen
36 
Nach meinem Wunsch flinke Bläschen entquellen,
37 
Erhebe mich mannhaft ins Duschengebraus.
38 
Ich bück mich. Der Stöpsel rülpst sich hinaus,
39 
Und während die Fluten sich gurgelnd verschlürfen,
40 
Spannt mich das Bewußtsein wie himmlischer Zauber,
41 
Mich überall heute zeigen zu dürfen,
42 
Denn ich bin sauber. –
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.9 KB)

Details zum Gedicht „Mein Wannenbad“

Anzahl Strophen
1
Anzahl Verse
42
Anzahl Wörter
239
Entstehungsjahr
1929
Epoche
Moderne,
Expressionismus

Gedicht-Analyse

Joachim Ringelnatz ist der Autor des Gedichtes „Mein Wannenbad“. Geboren wurde Ringelnatz im Jahr 1883 in Wurzen. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1929. Erscheinungsort des Textes ist Berlin. Auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors kann der Text den Epochen Moderne oder Expressionismus zugeordnet werden. Ringelnatz ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen. Das 239 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 42 Versen mit nur einer Strophe. Weitere bekannte Gedichte des Autors Joachim Ringelnatz sind „Abschied von Renée“, „Abschiedsworte an Pellka“ und „Afrikanisches Duell“. Zum Autor des Gedichtes „Mein Wannenbad“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 560 Gedichte vor.

+ Wie analysiere ich ein Gedicht?

Daten werden aufbereitet

Fertige Biographien und Interpretationen, Analysen oder Zusammenfassungen zu Werken des Autors Joachim Ringelnatz

Wir haben in unserem Hausaufgaben- und Referate-Archiv weitere Informationen zu Joachim Ringelnatz und seinem Gedicht „Mein Wannenbad“ zusammengestellt. Diese Dokumente könnten Dich interessieren.

Weitere Gedichte des Autors Joachim Ringelnatz (Infos zum Autor)

Zum Autor Joachim Ringelnatz sind auf abi-pur.de 560 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.