Mathilde von Friedrich Ludwig Wilhelm Meyer

Was regt sich leis’ im Herzen?
Was macht mich roth und blaß?
Was quält mit tiefen Schmerzen
Die Seel’ ohn’ Unterlaß?
Heischt Liebe diese Thränen?
Schwellt ihr Gebot die Brust?
Und träumt geheimes Sehnen
Von nie gefühlter Lust?
 
Ach! meine Seufzer tragen
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So stolze Wünsche nicht!
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Ich lernte früh entsagen,
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Und kenne meine Pflicht.
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Seit ich den Schwur geschworen,
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Der am Altar mich band,
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Gieng all mein Glück verloren,
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Doch meine Treu bestand.
 
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Dem ich mein Wort gegeben,
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Des Eigenthum ich bin,
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Dem bring ich auch mein Leben,
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Und mich zum Opfer hin.
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Ihn weihte Muttersegen
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Zu meinem Gatten ein,
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Ihm ging ich fromm entgegen,
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Und ewig bin ich sein.
 
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Was ihm das Recht erworben,
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Verdankt er’s dem Geschick?
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Bin ich der Welt gestorben
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Zu seiner Tage Glück?
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Wird irgendwo ein Kummer
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Von ihm durch mich verscheucht?
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Und findet er den Schlummer
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In meinen Armen leicht?
 
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Das regt sich leis’ im Herzen,
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Das macht mich roth und blaß,
 
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Das quält mit tiefen Schmerzen
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Die Seel’ ohn’ Unterlaß.
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Der Zweifel giebt mir Thränen,
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Er engt mir meine Brust;
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Verzeihlich ist das Sehnen
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Nach meiner Unschuld Lust.
 
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Einst glaubt’ ich schöner Sage,
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Im Himmel leb’ ein Gott,
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Der höre stille Klage;
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Den Menschen ists ein Spott.
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Die mögen Trost zertreten,
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Die mir nicht Brüder sind;
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Doch ich will ahndend beten:
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Gott segne Mann und Kind!
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (27 KB)

Details zum Gedicht „Mathilde“

Anzahl Strophen
7
Anzahl Verse
48
Anzahl Wörter
224
Entstehungsjahr
1796
Epoche
Klassik

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Mathilde“ des Autors Friedrich Ludwig Wilhelm Meyer. Im Jahr 1758 wurde Meyer in Harburg geboren. 1796 ist das Gedicht entstanden. Erschienen ist der Text in Neustrelitz. Eine Zuordnung des Gedichtes zur Epoche Klassik kann auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Bitte überprüfe unbedingt die Richtigkeit der Angaben zur Epoche bei Verwendung. Die Zuordnung der Epoche ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen. Das 224 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 48 Versen mit insgesamt 7 Strophen. Der Dichter Friedrich Ludwig Wilhelm Meyer ist auch der Autor für Gedichte wie „Königin Kobold“ und „Phantasie“. Zum Autor des Gedichtes „Mathilde“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de keine weiteren Gedichte vor.

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