Macht der Liebe von Johann Gottfried Herder

Nach dem Spanischen.

Liebe wechselt Berg und Thale,
Machet Höhn und Tiefen gleich,
Diese Flur zum Göttersaale,
Jenen Hain zu Paphos Reich.
Wer geliebet wird und liebte,
Schäfer oder Schäferinn,
König dünkt sich der Geliebte,
Die Geliebte Königinn.
 
Welch ein Ton von zarten Saiten
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Singet meinen Tönen nach?
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Sind es Geister? Sie begleiten
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Mich mit ihrem Wunsch und Ach.
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„Warum wurden wir betrübet?
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Fühleten wir nicht mit Euch?
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Liebt, so werdet ihr geliebet,
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Gleichgefühl ist Gottes Reich“.
 
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Steiget nieder zu dem Thale,
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Kalte Höhen, dürr’ und reich.
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Macht die Flur zum Göttersaale,
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Gebet und genießt zugleich.
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Liebe kränzet nur mit Myrthen;
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Doch im seligsten Gewinn
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Wird der König gern zum Hirten,
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Die Sultane Schäferinn.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.6 KB)

Details zum Gedicht „Macht der Liebe“

Anzahl Strophen
3
Anzahl Verse
24
Anzahl Wörter
111
Entstehungsjahr
1797
Epoche
Sturm & Drang,
Klassik

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Macht der Liebe“ des Autors Johann Gottfried Herder. Im Jahr 1744 wurde Herder in Mohrungen (Ostpreußen) geboren. Im Jahr 1797 ist das Gedicht entstanden. Der Erscheinungsort ist Tübingen. Eine Zuordnung des Gedichtes zu den Epochen Sturm & Drang oder Klassik kann auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors vorgenommen werden. Herder ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen.

Als Sturm und Drang (auch Genieperiode oder Geniezeit) bezeichnet man eine Literaturepoche, die auf die Jahre 1765 bis 1790 datiert werden kann. Sie knüpfte an die Empfindsamkeit an und ging später in die Klassik über. Der Literaturepoche des Sturm und Drang geht die Epoche der Aufklärung voran. Die Ideale und Ziele der Aufklärung wurden verworfen und es begann ein Auflehnen gegen die Prinzipien der Aufklärung und das gesellschaftliche System. Die Vertreter der Epoche des Sturm und Drang waren häufig Schriftsteller im jungen Alter, die sich gegen die vorherrschende Strömung der Aufklärung wandten. Um die subjektiven Empfindungen des lyrischen Ichs zum Ausdruck zu bringen, wurde im Besonderen darauf geachtet eine geeignete Sprache zu finden und in den Gedichten einzusetzen. Die Nachahmung und Idealisierung von Schriftstellern aus vergangenen Epochen wie dem Barock wurde abgelehnt. Die alten Werke wurden dennoch geschätzt und dienten als Inspiration. Es wurde eine eigene Jugendkultur und Jugendsprache mit kraftvollen Ausdrücken, Ausrufen, Wiederholungen und Halbsätzen geschaffen. Die Epoche des Sturm und Drang endete mit der Hinwendung Schillers und Goethes zur Weimarer Klassik.

Zwei sich deutlich unterscheidende Anschauungen hatten das 18. Jahrhundert bewegt: die Aufklärung und eine gefühlsbetonte Strömung, die durch den Sturm und Drang vertreten wurde. Die Weimarer Klassik ist im Grund genommen eine Verschmelzung dieser beiden Elemente. Die Weimarer Klassik nahm ihren Anfang mit der Italienreise Goethes im Jahr 1786 und endete mit dem Tod von Johann Wolfgang von Goethe im Jahr 1832. Die Weimarer Klassik wird häufig nur als Klassik bezeichnet. Beide Bezeichnungen werden in der Literatur genutzt. In Anlehnung an das antike Kunstideal wurde in der Weimarer Klassik nach Harmonie, Vollkommenheit, Humanität und der Übereinstimmung von Form und Inhalt gesucht. In der Lyrik haben die Dichter auf Gestaltungs- und Stilmittel aus der Antike zurückgegriffen. Beispielsweise war so die streng an formale Kriterien gebundene Ode besonders geschätzt. Außerdem verwendeten die Dichter eine pathetische, gehobene Sprache. Die Hauptvertreter der Klassik sind Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Christoph Martin Wieland und Johann Gottfried Herder. Einen künstlerischen Austausch im Sinne einer gemeinsamen Arbeit gab es jedoch nur zwischen Goethe und Schiller.

Das 111 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 24 Versen mit insgesamt 3 Strophen. Johann Gottfried Herder ist auch der Autor für Gedichte wie „An die Freundschaft“, „Apollo“ und „Bilder und Träume“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Macht der Liebe“ weitere 412 Gedichte vor.

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