An die Meinige von Kurt Tucholsky

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Legt man die Hand jetzt auf die Gummiwaren?
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Erinnre, Claire, dich an deine Pflicht!
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Das geht nicht so wie in den letzten Jahren:
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Du bist steril, und du vermehrst dich nicht!
 
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Wohlauf! Wohlan! zu Deutschlands Ruhm und Ehren!
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Vorbei ist nun der Liebe grüner Mai –
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da hilft nun nichts: du mußt etwas gebären,
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einmal, vielleicht auch zweimal oder drei!
 
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Wir Deutschen sind die Allerallerersten,
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voran der Kronprinz als Eins-A-Papa.
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Der Gallier faucht – wir haben doch die mehrsten,
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und hungern sie, mein Gott, sie sind doch da!
 
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Denn sieh: die Babys brauchen Medizinen
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und manchmal auch ein weiß Getöpf aus Ton,
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Gebäck, das Milchgetränk – man kauft es ihnen,
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und dann vor allem, Kind, die Konfektion!
 
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Und wer soll in des Kaisers Röcken dienen,
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umbrüllt vom Leutnant und vom General?
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Stell du das her: es muß nur maskulinen
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Geschlechtes sein – der Schädel ist egal.
 
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Ins Bett! Hier hast du deine Wickelbinden!
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Schenk mir den Leo nebst der Annmarei!
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Und zählt man nach, wird man voll Freude finden
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sechzig Millionen, und von uns
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die zwei!

Details zum Gedicht „An die Meinige“

Anzahl Verse
6
Anzahl Zeilen
25
Anzahl Wörter
172
Entstehungsjahr
1919
Epoche
Literatur der Weimarer Republik / Neue Sachlichkeit,
Exilliteratur

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „An die Meinige“ des Autoren Kurt Tucholsky. Im Jahr 1890 wurde Tucholsky in Berlin geboren. Das Gedicht ist im Jahr 1919 entstanden. Charlottenburg ist der Erscheinungsort des Textes. Auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autoren kann der Text den Epochen Literatur der Weimarer Republik / Neue Sachlichkeit oder Exilliteratur zugeordnet werden. Tucholsky ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen. Das Gedicht besteht aus 25 Zeilen mit insgesamt 6 Versen und umfasst dabei 172 Worte. Der Dichter Kurt Tucholsky ist auch der Autor für Gedichte wie „An einen garnisondienstfähigen Dichter“, „An ihren Papa“ und „Apage, Josephine, apage–!“. Auf abi-pur.de liegen zum Autoren des Gedichtes „An die Meinige“ weitere 135 Gedichte vor.

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