Kartoffelfeuer von Rudolf Lavant

Mir trübt das Weltbild keine graue Brille.
Ich liebe sehr der Sommertage Schluß.
Ich liebe sehr die Klarheit und die Stille
Und der Oktobersonne warmen Kuß.
Und wenn am Rain die Hagebutten reifen
Und blaubehaucht die herben Schlehen stehn,
Dann muß ich meinem treuen Hunde pfeifen
Und querfeldein durch Wald und Fluren gehn.
 
Ich fahre nichts behaglich in die Scheuer,
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Wenn sich das Jahr zu seinem Ende neigt,
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Doch grüß ich freudig die Kartoffelfeuer,
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Aus denen prasselnd eine Flamme steigt,
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Und mit den muntern Buben möcht ich springen,
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Die jubelnd sich um diese Feuer mühn,
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Und ärmevoll die dürren Stauden bringen,
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Die prasselnd sich zu weißer Asche glühn.
 
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Im Rauch verschwinden ab und zu die Jungen,
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Der aus den Lücken bricht des losen Baus,
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Dazwischen lecken rote Feuerzungen,
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Und schier bedrohlich sieht’s mitunter aus.
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Inzwischen aber wühlt die flinke Hacke,
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Die hurtig leer den warmen Boden macht,
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Und sichtlich häuft der Segen sich im Sacke,
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Den ernsten Blicks der weiße Spitz bewacht.
 
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Mit einem Scherzwort trocknen von der Stirne,
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Für Augenblicke rastend, sich den Schweiß
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Der rüst’ge Mann, die fixe, ros’ge Dirne,
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Denn reiche Ernte lohnt der Arbeit Fleiß.
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Das muntre Bild verlockte mich zum Bleiben;
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Am Saum des Ackers blieb ich lächelnd stehn,
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Und teilnahmsvoll hab ich dem regen Treiben,
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Dem Erntefest des Volkes, zugesehn.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.3 KB)

Details zum Gedicht „Kartoffelfeuer“

Anzahl Strophen
4
Anzahl Verse
32
Anzahl Wörter
219
Entstehungsjahr
nach 1860
Epoche
Realismus,
Naturalismus,
Moderne

Gedicht-Analyse

Rudolf Lavant ist der Autor des Gedichtes „Kartoffelfeuer“. 1844 wurde Lavant in Leipzig geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes liegt zwischen den Jahren 1860 und 1915. In Berlin ist der Text erschienen. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her kann der Text den Epochen Realismus, Naturalismus, Moderne, Expressionismus oder Avantgarde / Dadaismus zugeordnet werden. Vor Verwendung der Angaben zur Epoche, prüfe bitte die Richtigkeit. Die Zuordnung der Epochen ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und daher anfällig für Fehler. Das vorliegende Gedicht umfasst 219 Wörter. Es baut sich aus 4 Strophen auf und besteht aus 32 Versen. Die Gedichte „An unsere Feinde“, „An unsere Gegner“ und „An la belle France.“ sind weitere Werke des Autors Rudolf Lavant. Zum Autor des Gedichtes „Kartoffelfeuer“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 96 Gedichte vor.

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