In Dubiis von Rainer Maria Rilke
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Es dringt kein Laut bis her zu mir |
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von der Nationen wildem Streite, |
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ich stehe ja auf keiner Seite; |
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denn Recht ist weder dort noch hier. |
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Und weil ich nie Horaz vergaß, |
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bleib gut ich aller Welt und halte |
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mich unverbrüchlich an die alte |
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aurea mediocritas. |
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II |
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DER erscheint mir als der Größte, |
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der zu keiner Fahne schwört, |
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und, weil er vom Teil sich löste, |
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nun der ganzen Welt gehört. |
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Ist sein Heim die Welt; es mißt ihm |
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doch nicht klein der Heimat Hort; |
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denn das Vaterland, es ist ihm |
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dann sein Haus im Heimatsort. |
Details zum Gedicht „In Dubiis“
Rainer Maria Rilke
5
17
95
nach 1891
Moderne
Gedicht-Analyse
Das Gedicht „In Dubiis“ wurde von Rainer Maria Rilke geschrieben, einem der einflussreichsten Dichter der literarischen Moderne, der von 1875 bis 1926 lebte.
Auf den ersten Eindruck wirkt das Gedicht nachdenklich und ruhig. Es konfrontiert den Leser mit den Themen Nationalität, Unparteilichkeit und Zugehörigkeit.
Inhaltlich beschäftigt sich das lyrische Ich zu Beginn (Strophen 1 und 2) mit dem Konflikt zwischen Nationalitäten und seinem Unvermögen, sich auf eine Seite zu stellen, da es das Recht auf keiner Seite sieht. Es beruft sich auf die Worte des römischen Dichters Horaz und hält sich an das Prinzip der „aurea mediocritas“ (goldene Mitte), was darauf hindeutet, dass es einen gemäßigten, neutralen Standpunkt anstrebt.
Die zweite Hälfte des Gedichts (Strophen 3-5) beschreibt dann das Ideale des lyrischen Ichs: Es bewundert denjenigen, der sich nicht einer spezifischen Flagge oder Nation verpflichtet sieht (Vers 10-13). Stattdessen gehört dieser Mensch der gesamten Welt an (Vers 13). Trotz seiner globalen Zugehörigkeit hat er noch ein Heimatgefühl in seinem jeweiligen Haus oder Heimatort (Vers 14-17).
Von der Form her ist das Gedicht aufgebaut in mehrere Vier-Versen-Strophen, die jeweils einen eigenen Gedankengang oder einen Teil des Themas behandeln. Die dritte Strophe besteht jedoch nur aus dem römischen Zahlzeichen „II“, was auf einen Übergang oder Abschnittswechsel hinweist.
Die Sprache des Gedichts ist klar und relativ einfach, mit einem leicht veralteten oder gehobenen Wortschatz, entsprechend des Zeitalters, in dem Rilke schrieb. Allerdings verwendet Rilke auch lateinische Phrasen (wie „aurea mediocritas“), was auf seine literarische Bildung hinweist und gleichzeitig die universalen, zeitlosen Themen des Gedichts unterstreicht.
Insgesamt präsentiert „In Dubiis“ einen nachdenklichen und individualistischen Standpunkt zum Thema Nation, Zugehörigkeit und Neutralität - Themen, die relevanter denn je in unserer heutigen globalisierten Welt sind.
Weitere Informationen
Der Autor des Gedichtes „In Dubiis“ ist Rainer Maria Rilke. Der Autor Rainer Maria Rilke wurde 1875 in Prag geboren. Die Entstehungszeit des Gedichtes liegt zwischen den Jahren 1891 und 1926. Erschienen ist der Text in Frankfurt am Main. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her kann der Text der Epoche Moderne zugeordnet werden. Der Schriftsteller Rilke ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das Gedicht besteht aus 17 Versen mit insgesamt 5 Strophen und umfasst dabei 95 Worte. Weitere bekannte Gedichte des Autors Rainer Maria Rilke sind „Abend“, „Abend“ und „Abend“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „In Dubiis“ weitere 338 Gedichte vor.
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