Im Dome von Rainer Maria Rilke
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Wie von Steinen rings, von Erzen |
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weit der Wände Wölbung funkelt, |
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eine Heilge, braungedunkelt, |
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dämmert hinter trüben Kerzen. |
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Von der Decke, rundgemauert, |
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schwebt ob eines Engels Kopfe |
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hell ein weißer Silbertropfe, |
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drin ein ewig Lichtlein kauert. |
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Und im Eck, wo Goldgeglaste |
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niederhangt in staubgen Klumpen, |
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steht in Schmutz gehüllt und Lumpen |
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still ein Kind der Bettlerkaste. |
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Von dem ganzen Glanze floß ihm |
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in die Brust kein Fünkchen Segen ... |
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Zitternd, matt, streckts mir entgegen |
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seine Hand mit leisem: »Prosim!« |
Details zum Gedicht „Im Dome“
Rainer Maria Rilke
4
16
78
nach 1891
Moderne
Gedicht-Analyse
„Im Dome“ ist ein Gedicht des Lyrikers Rainer Maria Rilke, verfasst irgendwann zwischen seiner Geburt 1875 und seinem Tod 1926.
Beim ersten Eindruck stellt das Gedicht eine Kontrastierung dar zwischen dem Glanz und der Pracht einer Kirche oder Kathedrale („Dome“) und der traurigen Ärmlichkeit eines Bettlerkindes in einer Ecke.
Inhaltlich illustriert das Gedicht die Schönheit der Kirchenarchitektur und Dekor, symbolisiert durch die leuchtenden Steine und Metalle, den schimmernden Silbertropfen über dem Engel, und den goldgeglasten. Trotz dieser Pracht, bemerkt das lyrische Ich ein Bettlerkind in einer Ecke, umgeben von Staub und Schmutz und verdeckt von Lumpen. Das Kind scheint nicht in der Lage, etwas von dem Reichtum und Glanz der Kirche zu bekommen, deutlich gemacht durch den Vers „Von dem ganzen Glanze floß ihm in die Brust kein Fünkchen Segen“. Das Gedicht endet mit dem Kind, das leise „Prosim“ (tschechisch für „Bitte“) sagt und seine Hand ausstreckt.
Die Aussage des lyrischen Ichs könnte als eine soziale Kritik interpretiert werden - der überwältigende Luxus und Reichtum der Kirche steht im krassen Gegensatz zur Armut des Kindes. Es wirft Fragen über die Rechtfertigung solcher Verteilung von Reichtum auf und über die wirkliche Rolle der Kirche in der Gesellschaft.
Formell besteht das Gedicht aus vier vierzeiligen Strophen, wobei jeder Vers für sich eine in sich geschlossene Aussage macht. Rilke verwendet eine Reihe von Reimen und Rhythmen, um ein fließendes und einprägsames Leseerlebnis zu erzeugen. Die Sprache ist bildreich und die Symbole sind sinnvoll gewählt. Die Verwendung des Wortes „Prosim“ am Ende verleiht dem Gedicht eine zusätzliche Dimension, indem es das Gedicht in einem spezifischen kulturellen Kontext verortet und die Ärmlichkeit des Kindes durch den Akt des Bettelns betont.
Weitere Informationen
Das Gedicht „Im Dome“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Rainer Maria Rilke. Der Autor Rainer Maria Rilke wurde 1875 in Prag geboren. Das Gedicht ist in der Zeit von 1891 bis 1926 entstanden. Erschienen ist der Text in Frankfurt am Main. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht der Epoche Moderne zuordnen. Der Schriftsteller Rilke ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das vorliegende Gedicht umfasst 78 Wörter. Es baut sich aus 4 Strophen auf und besteht aus 16 Versen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Rainer Maria Rilke sind „Allerseelen“, „Als ich die Universität bezog“ und „Am Kirchhof zu Königsaal“. Zum Autor des Gedichtes „Im Dome“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 338 Gedichte vor.
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