Im Buschwald von Heinrich Kämpchen
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Erschossen liegt ein schwarzes Weib |
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Im Buschwald, in der Sonne Glut, |
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Nackt, unverhüllt den hagern Leib, |
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Noch sickert in den Sand das Blut. – |
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Von ihrem Stamme war die Frau |
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Nach Wasser suchend abgeirrt – |
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Da plötzlich tönt Kommando rauh |
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Im Buschwald und die Waffe klirrt. – |
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Sie floh – vergebliches Bemüh’n – |
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Die Kugel schoß der weiße Mann – |
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Hoch oben in den Lüften zieh’n |
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Die Wüstengeier schon heran. – |
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Sie wittern Fraß und Zeitvertreib, |
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Für sie ist ja der Tisch gedeckt – |
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Bald letzt sie das Hereroweib, |
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Das eine Kugel hingestreckt. – |
Details zum Gedicht „Im Buschwald“
Heinrich Kämpchen
4
16
87
1909
Moderne
Gedicht-Analyse
Der Autor des Gedichts ist Heinrich Kämpchen, ein deutscher Schriftsteller, der von 1847 bis 1912 gelebt hat. Insofern ist das Gedicht in die Zeit des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts einzuordnen.
Bereits beim ersten Lesen wird deutlich, dass es sich um ein sehr düsteres und ernstes Thema handelt. Es wird eine traurige und grausame Szene in einem Buschwald dargestellt, mit Tod, Gewalt und dem Überlebenskampf in der Wildnis als zentralen Elementen.
Inhaltlich geht es um ein schwarzes Weib, welches erschossen im Buschwald liegt. Sie ist nackt und ihr Körper ist hager. Von ihrem Stamm ist sie abgeirrt, während sie Wasser suchte. Ein Kommando erklingt, eine Waffe wird gezogen und sie versucht zu fliehen. Dies gelingt ihr jedoch nicht, da sie von einem weißen Mann niedergeschossen wird. Schließlich wird beschrieben, wie Geier sich bereits in den Lüften sammeln, um sie als Beute zu nutzen.
Das lyrische Ich beschreibt diese Szene in sehr nüchternem, beinahe schon klinischem Detail, ohne irgendeine persönliche Gefühlsregung oder Meinung zu offenbaren. Es scheint, als wolle der Autor die Leser dazu bringen, die Brutalität und das Unrecht, das dem schwarzen Weib widerfahren ist, ganz ohne emotionalen Filter wahrzunehmen. Es enthüllt eine erschreckende Realität, in der Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder Herkunft getötet werden.
Die Sprache des Gedichts ist schlicht und direkt, ohne viel poetische Verzierung oder Metaphorik. Es besteht aus vier Strophen mit je vier Versen, was eine sehr strenge und kontrollierte Form vermittelt. Dies passt zur unausweichlichen Realität, die das Gedicht darstellt. Jeder Vers endet mit einem Bindestrich, was das abrupte und endgültige Schicksal des schwarzen Weibs unterstreicht.
Insgesamt ist „Im Buschwald“ ein sehr direktes, nüchternes Gedicht, das eine brutale Szene darstellt und den Leser dazu zwingt, sich mit der Realität von Rassismus und Ungerechtigkeit auseinanderzusetzen. Es lässt wenig Raum für Interpretation oder Fantasie, sondern konfrontiert den Leser mit einer harten und unangenehmen Wahrheit. Dies erreicht Heinrich Kämpchen durch sein bewusst schlichtes und direktes Sprech- und Schreibstil.
Weitere Informationen
Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Im Buschwald“ des Autors Heinrich Kämpchen. Im Jahr 1847 wurde Kämpchen in Altendorf an der Ruhr geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1909. Erschienen ist der Text in Bochum. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her kann der Text der Epoche Moderne zugeordnet werden. Vor Verwendung der Angaben zur Epoche prüfe bitte die Richtigkeit. Die Zuordnung der Epoche ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und daher anfällig für Fehler. Das 87 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 16 Versen mit insgesamt 4 Strophen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Heinrich Kämpchen sind „Am Marienbrönnlein“, „Am Rhein“ und „Am Weinfelder Maar“. Zum Autor des Gedichtes „Im Buschwald“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 165 Gedichte vor.
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Zum Autor Heinrich Kämpchen sind auf abi-pur.de 165 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.
