Francisci Petrarchae von Martin Opitz

Aus dem Italienischen Petrarchae.

1 
Ist Liebe lauter nichts, wie daß sie mich entzündet?
2 
Ist sie dann gleichwohl was, wem ist ihr Tun bewußt?
3 
Ist sie auch recht und gut, wie bringt sie böse Lust?
4 
Ist sie nicht gut, wie daß man Freud aus ihr empfindet?
 
5 
Lieb ich gar williglich, wie daß ich Schmerzen trage?
6 
Muß ich es tun, was hilfts, daß ich solch Trauren führ?
7 
Tu ichs nicht gern, wer ists, der es befiehlet mir?
8 
Tu ich es gern, warum, daß ich mich dann beklage?
 
9 
Ich wanke wie das Gras, so von den kühlen Winden
10 
Um Vesperzeit bald hin geneiget wird, bald her.
11 
Ich walle wie ein Schiff, das in dem wilden Meer
 
12 
Von Wellen umjagt nicht kann zu Rande finden.
13 
Ich weiß nicht was ich will, ich will nicht was ich weiß,
14 
Im Sommer ist mir kalt, im Winter ist mir heiß.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.7 KB)

Details zum Gedicht „Francisci Petrarchae“

Autor
Martin Opitz
Anzahl Strophen
4
Anzahl Verse
14
Anzahl Wörter
139
Entstehungsjahr
1624
Epoche
Barock

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Francisci Petrarchae“ des Autors Martin Opitz. Geboren wurde Opitz im Jahr 1597 in Bunzlau. 1624 ist das Gedicht entstanden. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht der Epoche Barock zuordnen. Opitz ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche.

Die Literaturepoche des Barocks erstreckt sich über den Zeitraum von 1600 bis etwa 1720. Diesen Zeitraum kann man in drei Abschnitte unterteilen: Früh-, Hoch- und Spätbarock. Die Zeit des Barocks wurde durch den Dreißigjährigen Krieg stark beeinflusst – Hunger, Seuchen, Vergewaltigung und Tod sorgten für großes Elend bei der Bevölkerung in Europa. So dezimierte sich die Bevölkerung in Deutschland von ca. 28 Millionen im Jahr 1615 auf 11 Millionen Menschen am Ende des Krieges im Jahr 1648. Elend und Krieg lösten in der einfachen Bevölkerung ein tiefes Bewusstsein der eigenen Vergänglichkeit aus. Dagegen lebten die alleinigen, absolutistischen Herrscher in protzigen Luxus und ließen sich Prunkschlösser bauen. Diese Gegensätze von Todesangst und Lebenslust bzw. Armut und Luxus ließen sich ebenfalls in der Barockliteratur ausmachen. In der Dichtung wird die Verwendung solcher inhaltlichen Gegensätze als Antithetik bezeichnet. In der Lyrik des Barocks trat die deutsche an die Stelle der lateinischen Sprache, welche die Sprache der wichtigsten deutschen Lyriker im 16. Jahrhundert gewesen war. Gleichwohl war auch künftig die Elite Träger der Literatur. Die Hauptvertreter der Dichtung im Barock sind Paul Fleming, Martin Opitz, Andreas Gryphius, Christian Hofmann von Hofmannswaldau, Simon Dach, Johann Christian Günther, Angelus Silesius und Friedrich von Logau.

Das 139 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 14 Versen mit insgesamt 4 Strophen. Weitere bekannte Gedichte des Autors Martin Opitz sind „Wer Gott das Herze giebet“, „Kommt, laßt uns gehn spazieren“ und „Ach Liebste lass uns eilen“. Zum Autor des Gedichtes „Francisci Petrarchae“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de keine weiteren Gedichte vor.

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