Die Liebenden von Bertolt Brecht

Seht jene Kraniche in großem Bogen!
Die Wolken, welche ihnen beigegeben
Zogen mit ihnen schon als sie entflogen
Aus einem Leben in ein anderes Leben.
In gleicher Höhe und mit gleicher Eile
Scheinen sie alle beide nur daneben.
Daß so der Kranich mit der Wolke teile
Den schönen Himmel, den sie kurz befliegen
Daß also keines länger hier verweile
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Und keines anderes sehe als das Wiegen
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Des andern in dem Wind, den beide spüren
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Die jetzt im Fluge beieinander liegen:
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So mag der Wind sie in das Nichts entführen.
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Wenn sie nur nicht vergehen und sich bleiben
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So lange kann sie beide nichts berühren
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So lange kann man sie von jedem Ort vertreiben
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Wo Regen drohen oder Schüsse schallen.
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So unter Sonn und Monds verschiedenen Scheiben
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Fliegen sie hin, einander ganz verfallen.
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Wohin ihr? - Nirgend hin. Von wem davon? - Von allen.
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Ihr fragt, wie lange sind sie schon beisammen?
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Seit kurzem. - Und wann werden sie sich trennen? - Bald.
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So scheint die Liebe Liebenden ein Halt.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.6 KB)

Details zum Gedicht „Die Liebenden“

Anzahl Strophen
1
Anzahl Verse
23
Anzahl Wörter
169
Entstehungsjahr
1928
Epoche
Exilliteratur,
Nachkriegsliteratur

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Die Liebenden“ des Autors Bertolt Brecht. 1898 wurde Brecht in Augsburg geboren. Das Gedicht ist im Jahr 1928 entstanden. Aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors kann der Text den Epochen Exilliteratur oder Nachkriegsliteratur zugeordnet werden. Der Schriftsteller Brecht ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen.

Als Exilliteratur wird die Literatur von Schriftstellern bezeichnet, die unfreiwillig Zuflucht im Ausland suchen müssen, weil ihre Person oder ihr Werk im Heimatland bedroht sind. Für die Flucht ins Exil geben meist politische oder religiöse Gründe den Ausschlag. Die Exilliteratur in Deutschland entstand in den Jahren von 1933 bis 1945 als Literatur der Gegner des Nationalsozialismus. Dabei spielten insbesondere die Bücherverbrennungen am 10. Mai 1933 und der deutsche Überfall auf die Nachbarstaaten Deutschlands 1938/39 eine ausschlaggebende Rolle. Die deutsche Exilliteratur schließt an die Neue Sachlichkeit der Weimarer Republik an und bildet damit eine eigene Literaturepoche in der deutschen Literaturgeschichte. Die Exilliteratur lässt sich insbesondere an den typischen Themenschwerpunkten wie Sehnsucht nach der Heimat, Widerstand gegen Nazi-Deutschland oder Aufklärung über den Nationalsozialismus ausmachen. Anders als andere Epochen der Literatur, die zum Beispiel bei der formalen Gestaltung (also in Sachen Metrum, Reimschema oder dem Gebrauch bestimmter rhetorischer Mittel) ganz charakteristische Merkmale aufweisen, ist die Exilliteratur nicht durch bestimmte formale Merkmale gekennzeichnet. Die Exilliteratur weist häufig einen Pluralismus der Stile (Expressionismus, Realismus), eine kritische Betrachtung der Wirklichkeit und eine Distanz zwischen Werk und Leser oder Publikum auf. Sie hat häufig die Absicht zur Aufklärung und möchte Gesellschaftsentwicklungen aufzeigen (wandelnder Mensch, Abhängigkeit von der Gesellschaft).

Das Gedicht besteht aus 23 Versen mit nur einer Strophe und umfasst dabei 169 Worte. Der Dichter Bertolt Brecht ist auch der Autor für Gedichte wie „An die Nachgeborenen“, „Schlechte Zeit für Lyrik“ und „Von der Freundlichkeit der Welt“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Die Liebenden“ keine weiteren Gedichte vor.

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