Fürstensorgen von Ludwig Thoma

Die Fürstenhäuser, so wie man weiß,
Bilden einen großen Familienkreis;
Sie bleiben, selbst wenn sie ihre Unterthanen
Zum Abmetzgern rufen unter die Fahnen,
Auf gutem Fuße; sie können sich zügeln,
Und lassen bloß die dummen Völker sich prügeln.
Noch mehr aber, wenn friedliche Winde wehen,
Kann man eine erquickende Eintracht sehen,
Und selbst die entlegensten Fürstensprossen
10 
Sind in die Fürsorge mit eingeschlossen.
11 
Wenn zum Beispiel in einem Lande,
12 
Wo das Hammelstehlen noch keine Schande,
13 
Sich kratzte ein prinzlicher Jüngeling,
14 
Indem er zu heftig seine Läuse fing,
15 
Und dabei erhielt eine kleine Schramme,
16 
Kommen von vielen Höfen Telegramme,
17 
Man dankt dem Allgütigen, daß es so abgegangen
18 
Bei Seiner Hoheit wütendem Lausefangen.
19 
Oder wenn gar dieses passiert,
20 
Daß eine englische Prinzessin krank wird,
21 
Weil sie so lange gefressen und gesoffen,
22 
Bis der durchlauchteste Leib nicht mehr offen,
23 
Und in dero prinzeßlichem Magen
24 
Sich ganz gemeine Winde verschlagen;
25 
Da depeschieren die Fürsten bestürzt:
26 
Haben Ihre Hoheit noch nicht gef....?
27 
Von den Herrscherstirnen verschwinden die Schatten
28 
Erst, wenn Ihre Hoheit einen Stuhlgang hatten.
29 
Ja, sie sind edel und ersten Rangs,
30 
Der Fürsten zärtliche Sangtimangs!
31 
In der Sorge für das eigne Ergehen
32 
Können sie selbstverständlich nicht sehen,
33 
Wie elend der Buren Kinder verderben,
34 
Und wie sie alle am Hunger sterben.
35 
Das Elend hat keinem das Herz gerührt,
36 
Und keiner von ihnen hat Mitleid gespürt:
37 
Doch morgen meldet wieder der Draht,
38 
Ob die Prinzessin einen Stuhlgang hat.
 
39 
Peter Schlemihl

Details zum Gedicht „Fürstensorgen“

Autor
Ludwig Thoma
Anzahl Strophen
2
Anzahl Verse
39
Anzahl Wörter
233
Entstehungsjahr
1902
Epoche
Moderne

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Fürstensorgen“ des Autoren Ludwig Thoma. Geboren wurde Thoma im Jahr 1867 in Oberammergau. Das Gedicht ist im Jahr 1902 entstanden. Der Erscheinungsort ist München. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autoren her kann der Text der Epoche Moderne zugeordnet werden. Vor Verwendung der Angaben zur Epoche, prüfe bitte die Richtigkeit. Die Zuordnung der Epoche ist ausschließlich auf zeitlicher Ebene geschehen und daher anfällig für Fehler. Das 233 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 39 Versen mit insgesamt 2 Strophen. Weitere Werke des Dichters Ludwig Thoma sind „Jahreswende“, „Karneval“ und „Neujahr bei Pastors“. Zum Autoren des Gedichtes „Fürstensorgen“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de keine weiteren Gedichte vor.

Daten werden aufbereitet

+ Wie analysiere ich ein Gedicht?

Fertige Biographien und Interpretationen, Analysen oder Zusammenfassungen zu Werken des Autoren Ludwig Thoma

Wir haben in unserem Hausaufgaben- und Referate-Archiv weitere Informationen zu Ludwig Thoma und seinem Gedicht „Fürstensorgen“ zusammengestellt. Diese Dokumente könnten Dich interessieren.

Weitere Gedichte des Autoren Ludwig Thoma (Infos zum Autor)