An Madame de Warens von Frank Wedekind

Nimm dieses Bild, mit ihm die alte Treue,
Das reine Herz, das einst sich dir geweiht.
Vertrauensvoll erfleht es sich aufs neue
Nur einen Funken deiner Göttlichkeit.
Noch ist der zarte Flor ja nicht zerrissen,
Mit dem du mich in schöner Zeit umwobst,
Darin du mich empor aus Finsternissen
Zum blauen Äther deiner Liebe hobst.
Nun möcht’ an deiner Brust es wied’rum rasten
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Und lauschen deiner Stimme weichem Klang;
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Die Melodien, die es dort erfaßten,
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Sie hallen fort noch manchen Sommer lang.
 
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Die Welt ist überreich an Glück und Freuden,
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Doch reicher, hohe Königin, bist du.
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Du wagst die Schätze sorglos zu vergeuden,
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Die Andre hüten in besorgter Ruh.
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Und stets von neuem hast du reich zu geben
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Des Gold’s, das deiner Seele Tiefen füllt.
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Wie manchen Schmerz in deiner Nächsten Leben
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Hast du mit mildem Himmelstrost gestillt.
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Der Mensch verzweifelt unter schweren Qualen,
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Siecht hin und altert in Entmutigung,
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Da leuchten deines Auges warme Strahlen
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Und der gebeugte Geist ist wieder jung.
 
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Verlaß mich nicht; ich habe dir zu danken,
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Was schönes jetzt in meinem Herzen ruht.
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Der Flammenbecher, den vereint wir tranken,
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Goß laut’res Feuer in mein junges Blut.
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Verlaß mich nicht; mir lacht aus deinen Zügen
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Mein Himmel, wenn du mir zur Seite stehst;
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Verlaß mich nicht, du würdest mich betrügen
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Um meinen Himmel, wenn du von mir gehst.
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Ich weiß nicht, was mir noch auf Erden bliebe;
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Mein Leben strömt aus deinem Augenlicht,
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Ich müßte sterben ohne deine Liebe,
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Du Himmelskönigin, verlaß mich nicht!

Details zum Gedicht „An Madame de Warens“

Anzahl Verse
3
Anzahl Zeilen
36
Anzahl Wörter
251
Entstehungsjahr
1905
Epoche
Moderne

Gedicht-Analyse

Frank Wedekind ist der Autor des Gedichtes „An Madame de Warens“. Wedekind wurde im Jahr 1864 in Hannover geboren. Im Jahr 1905 ist das Gedicht entstanden. Erscheinungsort des Textes ist München. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autoren her kann der Text der Epoche Moderne zugeordnet werden. Der Schriftsteller Wedekind ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das 251 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 36 Zeilen mit insgesamt 3 Versen. Weitere Werke des Dichters Frank Wedekind sind „Abschied“, „Albumblatt“ und „Allbesiegerin Liebe“. Auf abi-pur.de liegen zum Autoren des Gedichtes „An Madame de Warens“ weitere 114 Gedichte vor.

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