Frieden von Heinrich Heine

Hoch am Himmel stand die Sonne,
Von weißen Wolken umwogt,
Das Meer war still,
Und sinnend lag ich am Steuer des Schiffes,
Träumerisch sinnend, – und halb im Wachen
Und halb im Schlummer, schaute ich Christus,
Den Heiland der Welt.
Im wallend weißen Gewande
Wandelt’ er riesengroß
10 
Ueber Land und Meer;
11 
Es ragte sein Haupt in den Himmel,
12 
Die Hände streckte er segnend
13 
Ueber Land und Meer;
14 
Und als ein Herz in der Brust
15 
Trug er die Sonne,
16 
Die rothe, flammende Sonne,
17 
Und das rothe, flammende Sonnenherz
18 
Goß seine Gnadenstrahlen
19 
Und sein holdes, liebseliges Licht,
20 
Erleuchtend und wärmend,
21 
Ueber Land und Meer.
 
22 
Glockenklänge zogen feierlich
23 
Hin und her, zogen wie Schwäne,
24 
Am Rosenbande, das gleitende Schiff,
25 
Und zogen es spielend an’s grüne Ufer,
26 
Wo Menschen wohnen, in hochgethürmter,
27 
Ragender Stadt.
 
28 
O Friedenswunder! Wie still die Stadt!
29 
Es ruhte das dumpfe Geräusch
30 
Der schwatzenden, schwülen Gewerbe,
31 
Und durch die reinen, hallenden Straßen
32 
Zogen Menschen, weißgekleidete,
33 
Palmzweig-tragende,
34 
Und wo sich Zwei begegneten,
35 
Sahn sie sich an, verständnißinnig,
36 
Und schauernd, in Liebe und süßer Entsagung,
37 
Küßten sie sich auf die Stirne,
38 
Und schauten hinauf
39 
Nach des Heilands Sonnenherzen,
40 
Das freudig versöhnend sein rothes Blut
41 
Hinunterstrahlte,
42 
Und dreimalselig sprachen sie:
43 
Gelobt sey Jesu Christ!
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.6 KB)

Details zum Gedicht „Frieden“

Anzahl Strophen
3
Anzahl Verse
43
Anzahl Wörter
200
Entstehungsjahr
1825–1826
Epoche
Junges Deutschland & Vormärz

Gedicht-Analyse

Heinrich Heine ist der Autor des Gedichtes „Frieden“. Geboren wurde Heine im Jahr 1797 in Düsseldorf. Die Entstehungszeit des Gedichtes geht auf das Jahr 1826 zurück. Der Erscheinungsort ist Hamburg. Von der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her lässt sich das Gedicht der Epoche Junges Deutschland & Vormärz zuordnen. Der Schriftsteller Heine ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das vorliegende Gedicht umfasst 200 Wörter. Es baut sich aus 3 Strophen auf und besteht aus 43 Versen. Weitere Werke des Dichters Heinrich Heine sind „Ahnung“, „Allnächtlich im Traume seh’ ich dich“ und „Almansor“. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Frieden“ weitere 529 Gedichte vor.

+ Wie analysiere ich ein Gedicht?

Daten werden aufbereitet

Fertige Biographien und Interpretationen, Analysen oder Zusammenfassungen zu Werken des Autors Heinrich Heine

Wir haben in unserem Hausaufgaben- und Referate-Archiv weitere Informationen zu Heinrich Heine und seinem Gedicht „Frieden“ zusammengestellt. Diese Dokumente könnten Dich interessieren.

Weitere Gedichte des Autors Heinrich Heine (Infos zum Autor)

Zum Autor Heinrich Heine sind auf abi-pur.de 529 Dokumente veröffentlicht. Alle Gedichte finden sich auf der Übersichtsseite des Autors.