Bretterwelt von Franz Grillparzer

Komm, Muse, her, du sollst mir vor das Volk,
Mit diesen Stricken bind ich deine Arme.
Die Glocke, einst der Kuh, die reichlich molk,
Ruft zu Gericht. Ob dein sich Gott erbarme.
Den Helm von Pappe setz ich dir aufs Haupt,
Ein hölzern Schwert wankt, wo die Hüften schwellen,
Und, daß dein Fuß sich nicht zuviel erlaubt,
Nimm noch von Blech die engen Knöchel-Schellen.
Auch in dem Umkreis hab mir sorglich acht,
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Der Baum hier wankt, kann nicht zur Stütze taugen,
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Dort die Versenkung führt in Abgrunds Nacht,
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Und doch vor Lichtglanz hüll ich deine Augen.
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Den Mund allein nur will ich frei dir geben,
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Den brauch, wie dus vermagst und dir bekannt,
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Was sonst nochnicht Formen gibt, nur Töne,
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Der Maler Töne nicht, nur Formen malt,
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Lebt hier im dürren Wort allein das Schöne,
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Von Wohlklang nicht ergänzt, noch von Gestalt.
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Nun aber laß uns noch die Menge schauen,
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Die das Geschick zu Richtern uns gesetzt.
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Der Vorhang ward, zum Glück, von artgen Klauen
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Zu eigner Aussicht stellenweis zerfetzt.
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Du staunst, nicht wahr? und kannst es kaum erwarten,
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Ein Anblick bunt und reich, bergan, talab.
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Glaubst du dich nicht versetzt in jenen Garten,
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Dem man vom schönen Brunn den Namen gab?
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Hier das Parterr, voll Rosen, Tulpen, Nelken,
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Zwar leeres Gras dazwischen auch genug
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Die Hitze macht die Häupter sichtlich welken,
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Doch blühn sie auf, besprengt sie erst dein Krug.
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Und rings im Umkreis die geschloßnen Fallen,
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Des Gartens Schmuck, genannt Menagerie,
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Des Städters Lust vor jedem und vor allen,
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Besetzt mit edlem, schwerbezahltem Vieh.
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Ha, wie sie prangen, wie sie grinsen, schnauben,
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Mit Fleisch genährt zum Teil, zum Teil mit Aas,
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Zwar pflegen sie nicht mehr wie sonst zu rauben,
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Doch was sie längst geraubt, ist jetzt ihr Fraß.
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Der Löwe dort mit etwas kalten Mähnen,
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Dem, was uns groß, ein stolzer Zeitvertreib,
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Ein halbes Volk verschlingt sein kleinstes Gähnen,
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Ihm steht kein Mann, dir horcht er, weil ein Weib.
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Der Eisbär nebenan, vor dem kein Säumen,
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Wie dürr und alt, doch immer noch in Brunft,
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Zwei Wärter fraß er schon in diesen Räumen,
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Doch hat man ihm die Zähne nun gestumpft.
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Das Zebra schau! den Leib geschmückt mit Bändern,
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Man kennt den Stamm, trotz der gezierten Brust,
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Hier das Kamel aus wüsten Steppenländern,
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Das schleppt und trägt und dem die Dürre Lust.
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Dort die Hyäne, die mit leisem Winseln
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Im Dunkeln anzeigt, was sie still erlauscht;
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Hier Tiere, die das Mundhaar formt zu Pinseln,
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Und andre glatt, die Backen nur bebauscht.
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Die Löffelgans, vielmehr der Gänsrich selber,
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Der Schnabel nur zeigt an sein plattes Haupt,
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Er schlingt die Nahrung ganz. Hier Lämmer, Kälber
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Von seltner Art und teurer, als man glaubt.
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Zuletzt der Waschbär noch. Er, der von allen
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Den Fraß, als Küchenmeister, selbst sich kocht,
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Er wäscht und wäscht und läßt sichs erst gefallen,
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Wenn er den letzten Saft den Fasern ausgepocht.
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Nach weiter oben laß uns nicht mehr blicken,
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Ein Schwindel droht. Die höchsten Wipfel sinds,
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Die, leicht erregt, verneinen oder nicken,
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Je nach des Zufalls Laune und des Winds.
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Die alle nun sind unsers Werkes Richter,
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Bezeichnend es mit schwarz, mit rotem Strich;
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Das Urteil sprechen sie dem armen Dichter
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Und auch - sie ahnens ewig nimmer - sich.
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Sie sind - wie überall, seit Herzen schlugen,
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Und der Verstand Gedanken knüpft und trennt
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In zwei geteilt: die Toren und die Klugen,
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Nur freilich ruht auf erstern der Akzent
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Die Toren - ei, was mehr? - sind eben Toren,
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Nur sonst beschränkt, fühlt jeder hier sich frei,
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Den armen Geist im Alten matt verloren,
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Strebt jeder hastgen Drangs nach dem, was neu.
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Den toten Sumpf im Innern ihrer Wesen
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Wünscht jeder durch die Dichtung aufgerührt.
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Sie fühlen nur, wenn sie vom Fühlen lesen,
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Das Leben lebend, das ein andrer führt.
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Wie sich der Hund an dich drängt, also jene,
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Du sollst ihm klopfen seines Rückens Grat,
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Klopfst du zu stark, so weist er dir die Zähne,
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Zu schwach, so weiß er kaum, wie man ihm tat.
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Die sollst du, nicht der Welt, nein, sich entreißen,
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Sich sucht und flieht ein jeder eifrig gleich,
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Und willst du ihm mit Fug ein Dichter heißen,
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Sei unerhört, ein Wunder jeder Streich.
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Indes die Klugen - und das sind die Schurken,
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Von Schlechtigkeit bis zum Verstand gebeizt
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Nach Wirklichem verlangt, gewürzt mit Gurken,
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Mit Senf und was noch sonst den Hunger reizt.
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Die wollen sich, sich selbst lebendgen Leibes,
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Heißt das: so wie sie einst sich selbst gedacht,
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Eh Neid und Haß, die Wut des Zeitvertreibes,
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Sie um den Adel ihres Seins gebracht.
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Die mußt du nun vor allen reizen können,
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Denn wisse nur, sie sind in was zerstreut,
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Sie wollen gern uns ihren Abend gönnen,
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Doch wiederkaun sie ein geschäftig Heut.
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Der eine zählt im Sack die Groschen, Gulden,
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Des schnöden Wuchers schändlichen Gewinst,
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Der Nachbar hörts und denkt mit Schreck der Schulden,
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Die morgen fällig, lange nicht verzinst;
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Der hat den Feind, und der den Freund verraten,
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Der Seele Schatz verkauft für blankes Geld;
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Der sieht im Geist die Gattin andrer Gatten,
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Die heut gestrauchelt und wohl morgen fällt.
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Dort einer äugelt auf der Freude Töchter;
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Nächstan ein Dichter ohne Preis und Dank,
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Der, selber schlecht, die andern wünschte schlechter,
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Ein Licht, das leuchtet, wenn die Sonne sank,
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Hier grinst der Spott, der Affe des Verstandes,
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Hier gähnt die Prosa, die sich selbst genug,
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Dort Neid und Haß, lammschürigen Gewandes,
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Der Groll, der seinen Wurf seit Monden trug.
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Vor diese sollen wir mit unsern Spielen.
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Was schauderst du zurück und schlägst die Brust?
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Und wäre Tod im Grauen, das wir fühlen,
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Es ist ein heilig Amt. Ich soll. Du mußt.
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Auch wisse nur: die Schlimmsten von den Schlimmen,
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Wie arg ihr Frost, wie fern sie der Natur,
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Im Tiefsten blieb ein leises Fünkchen glimmen,
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Mit Qualm bedeckt und kalter Asche nur.
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Erreichst du das mit deines Atems Wehen,
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Dann sprühts und knistert und ein Flämmchen blinkt,
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Zwar bläulich schwach, dem Auge kaum zu sehen,
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Doch wärmts den Pulsschlag, wie er steigt und sinkt.
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Am Arme seines Nachbarn im Gedränge
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Spürt jeder die gesteigert fremde Glut,
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Und über sie kommt das Gefühl der Menge,
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In dem der Mensch verzehnfacht, schlimm wie gut,
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Der weiß, er teilt im Blicke mit sein Wissen,
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Der Fühlende im Atem sein Gefühl;
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Der Einzelne ist seinem Selbst entrissen,
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Zählt nur als Woge, schwindend im Gewühl.
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Dann aber - fort von deinem Aug die Wolke,
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Dann sprechen wir zu dem und jenem nicht,
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Dann sprechen zur Gesamtheit wir, zum Volke,
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Und die sinds wert, daß man mit ihnen spricht.

Details zum Gedicht „Bretterwelt“

Anzahl Strophen
1
Anzahl Verse
142
Anzahl Wörter
1086
Entstehungsjahr
1791 - 1872
Epoche
Biedermeier,
Realismus

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Bretterwelt“ des Autors Franz Grillparzer. Geboren wurde Grillparzer im Jahr 1791 in Wien. Das Gedicht ist in der Zeit von 1807 bis 1872 entstanden. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zu den Epochen Biedermeier oder Realismus zu. Der Schriftsteller Grillparzer ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen. Das Gedicht besteht aus 142 Versen mit nur einer Strophe und umfasst dabei 1086 Worte. Die Gedichte „Der Wunderbrunnen“, „Entsagung“ und „Vorzeichen“ sind weitere Werke des Autors Franz Grillparzer. Zum Autor des Gedichtes „Bretterwelt“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 298 Gedichte vor.

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