Flora und die Blumen von Johann Gottfried Herder

„Kinderchen des holden süssen Frühlings,
Hört o hört der Mutter treue Warnung,
Wenn ein lauer Winterwest euch heuchelt,
Trauet nicht dem heuchelnd-bösen Mörder.
 
Wartet, bis der goldne Vater rufet,
Bis die treue Mutter euch erscheinet,
Die euch weckt aus euren Winterbettchen
Und euch Kleider bringt und schöne Häubchen,“
 
Also sprach zu ihren Blumenkindern
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Flora scheidend und ging auf zum Himmel.
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Alle Blumen sagten ihr Gehorsam
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Und Geduld zu, bis sie wiederkäme.
 
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Als sie kam; der goldne Vater Frühling
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Rief die Kinder aus dem Winterschlafe,
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Und die Mutter brachte schöne Kleider,
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Lief umher und sucht’ und zählet’ alle.
 
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Ach da fand sie manches schöne Knöspchen
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Früh hervorgelockt vom bösen Mörder.
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Ausgetreten wars aus seiner Zelle,
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Hatt’ hervorgeblickt mit seinen Aeuglein;
 
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Und war bald erstarret, von des bösen
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Heuchelnden Verführers Hauch vergiftet:
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Denn der Winterwest war Frost geworden
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Und erstarret stand das arme Blümchen.
 
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Traurig rief die Mutter ihrem Zephyr,
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Der es brach; und sie begrub es weinend.
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Ach das ungeduldge, frühe Blümchen
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Prangt nun nimmer mehr im Lenz der Flora.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (25.9 KB)

Details zum Gedicht „Flora und die Blumen“

Anzahl Strophen
7
Anzahl Verse
28
Anzahl Wörter
169
Entstehungsjahr
1787
Epoche
Sturm & Drang,
Klassik

Gedicht-Analyse

Johann Gottfried Herder ist der Autor des Gedichtes „Flora und die Blumen“. Im Jahr 1744 wurde Herder in Mohrungen (Ostpreußen) geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1787. Gotha ist der Erscheinungsort des Textes. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zu den Epochen Sturm & Drang oder Klassik zu. Herder ist ein typischer Vertreter der genannten Epochen.

Die Epoche des Sturm und Drang reicht zeitlich etwa von 1765 bis 1790. Sie ist eine Strömung innerhalb der Aufklärung (1720–1790) und überschneidet sich teilweise mit der Epoche der Empfindsamkeit (1740–1790) und ihren Merkmalen. Häufig wird der Sturm und Drang auch als Geniezeit oder Genieperiode bezeichnet. Die Klassik knüpft an die Literaturepoche des Sturm und Drang an. Die Literaturepoche des Sturm und Drang war eine Protestbewegung, die aus der Aufklärung hervorging. Der Protest richtete sich dabei gegen den Adel und dessen höfische Welt, sowie andere absolutistische Obrigkeiten. Er richtete sich darüber hinaus auch gegen das Bürgertum, das als eng und freudlos galt, und dessen Moralvorstellungen veraltet waren. Als Letztes richtete sich der Protest des Sturm und Drang gegen Traditionen in der Literatur. Die Schriftsteller des Sturm und Drang waren zumeist junge Autoren, häufig unter 30 Jahre alt. Die Schriftsteller versuchten in den Gedichten eine geeignete Sprache zu finden, um die subjektiven Empfindungen des lyrischen Ichs zum Ausdruck zu bringen. Die Werke vorangegangener Epochen wurden geschätzt und dienten als Inspiration. Aber dennoch wurde eine eigene Jugendsprache und Jugendkultur mit kraftvollen Ausdrücken, Ausrufen, Halbsätzen und Wiederholungen geschaffen. Mit seinen beiden wichtigen Vertretern Goethe und Schiller entwickelte sich der Sturm und Drang weiter und ging in die Weimarer Klassik über.

Richtungsweisend für die Literatur der Weimarer Klassik war die Französische Revolution. Menschen setzten sich dafür ein, dass für alle die gleichen Rechte gelten sollten. Der Beginn der Weimarer Klassik ist im Jahr 1786 auszumachen. Die Literaturepoche endete im Jahr 1832 mit dem Tod Goethes. Die Weimarer Klassik wird häufig nur als Klassik bezeichnet. Beide Bezeichnungen werden in der Literatur genutzt. Humanität, Güte, Gerechtigkeit, Toleranz, Gewaltlosigkeit und Harmonie sind die essenziellen Themen. Die Klassik orientiert sich am antiken Kunstideal. Ein hohes Sprachniveau ist für die Werke der Klassik kennzeichnend. Während man in der Epoche des Sturm und Drangs die natürliche Sprache wiedergeben wollte, stößt man in der Klassik auf eine reglementierte Sprache. Die populärsten Schriftsteller der Klassik sind Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Weitere Schriftsteller der Klassik sind Christoph Martin Wieland und Johann Gottfried Herder. Die beiden letztgenannten arbeiteten jeweils für sich. Einen konstruktiven Austausch im Sinne eines gemeinsamen Arbeitsverhältnisses gab es nur zwischen Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe.

Das vorliegende Gedicht umfasst 169 Wörter. Es baut sich aus 7 Strophen auf und besteht aus 28 Versen. Die Gedichte „An Auroren“, „An den Schlaf“ und „An die Freundschaft“ sind weitere Werke des Autors Johann Gottfried Herder. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Flora und die Blumen“ weitere 412 Gedichte vor.

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