Esther von Rainer Maria Rilke

Die Dienerinnen kämmten sieben Tage
die Asche ihres Grams und ihrer Plage
Neige und Niederschlag aus ihrem Haar,
und trugen es und sonnten es im Freien
und speisten es mit reinen Spezereien
noch diesen Tag und den: dann aber war
 
die Zeit gekommen, da sie ungeboten,
zu keiner Frist, wie eine von den Toten
den drohend offenen Palast betrat,
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um gleich, gelegt auf ihre Kammerfrauen,
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am Ende ihres Weges den zu schauen,
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an dem man stirbt, wenn man ihm naht.
 
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Er glänzte so, daß sie die Kronrubine
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aufflammen fühlte, die sie an sich trug;
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sie füllte sich ganz rasch mit seiner Miene
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wie ein Gefäß und war schon voll genug
 
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und floß schon über von des Königs Macht,
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bevor sie noch den dritten Saal durchschritt,
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der sie mit seiner Wände Malachit
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grün überlief. Sie hatte nicht gedacht,
 
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so langen Gang zu tun mit allen Steinen,
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die schwerer wurden von des Königs Scheinen
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und kalt von ihrer Angst. Sie ging und ging.
 
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Und als sie endlich fast von nahe ihn,
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aufruhend auf dem Thron von Turmalin,
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sich türmen sah, so wirklich wie ein Ding:
 
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empfing die rechte von den Dienerinnen
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die Schwindende und hielt sie zu dem Sitze.
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Er rührte sie mit seines Zepters Spitze;
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und sie begriff es ohne Sinne, innen.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.1 KB)

Details zum Gedicht „Esther“

Anzahl Strophen
7
Anzahl Verse
30
Anzahl Wörter
211
Entstehungsjahr
1918
Epoche
Moderne

Gedicht-Analyse

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Esther“ des Autors Rainer Maria Rilke. Rilke wurde im Jahr 1875 in Prag geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1918. Erschienen ist der Text in Leipzig. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autors lassen eine Zuordnung zur Epoche Moderne zu. Der Schriftsteller Rilke ist ein typischer Vertreter der genannten Epoche. Das 211 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 30 Versen mit insgesamt 7 Strophen. Die Gedichte „Absaloms Abfall“, „Adam“ und „Advent“ sind weitere Werke des Autors Rainer Maria Rilke. Auf abi-pur.de liegen zum Autor des Gedichtes „Esther“ weitere 337 Gedichte vor.

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