Entomologische Liebe von Joachim Ringelnatz

Ein Käfer, den ich kenne,
Die Goldhenne,
Spritzt einen üblen Saft.
Ich habe mir eine Betthenne –
Nein, Bettpfanne angeschafft.
 
Nur zur eigenen Benützung,
Nicht etwa zur Unterstützung
Dieses Käfers, der bei Tag und Nacht
Neben meinem Krankenlager steht
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Und sich freut, wenn es mir naß ergeht.
 
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Eingefangen in ein Glasgebäude
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Lebt er. Ich verstehe seine Freude.
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Wenn er nie in Freiheit bei mir sitzt,
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So doch nur, weil er so übel spritzt.
 
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Doch nachdem ich nun seit sieben Wochen
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Ihm durchs Glas so freundlich zugesprochen,
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Weiß er schon, daß ich ihn Goldfink nenne.
 
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Wir sind Schicksalskameraden.
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Demnächst will ich meine Goldhenne
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Zu Bettpfannkuchen einladen.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (24.5 KB)

Details zum Gedicht „Entomologische Liebe“

Anzahl Strophen
5
Anzahl Verse
20
Anzahl Wörter
104
Entstehungsjahr
1929
Epoche
Moderne,
Expressionismus

Gedicht-Analyse

Der Autor des Gedichts ist Joachim Ringelnatz, ein deutscher Schriftsteller und Kabarettist, der während der Weimarer Republik bekannt wurde. Ringelnatz wurde 1883 geboren und starb 1934, daher kann eingeschätzt werden, dass das Gedicht „Entomologische Liebe“ irgendwann in diesem Zeitraum entstanden ist, genauer ist dies ohne weitere Informationen jedoch schwer zu bestimmen.

Der erste Eindruck des Gedichts ist humorvoll und skurril. Es erzählt die Geschichte einer seltsamen „Freundschaft“ oder „Liebe“ zwischen dem lyrischen Ich und einem Käfer, genannt die „Goldhenne“, der in einem Glas lebt und einen unangenehmen Saft spritzt. Das lyrische Ich hat eine Bettpfanne gekauft, angeblich nicht zur Unterstützung des Käfers, dennoch scheint es irgendeine Verbindung zwischen den beiden zu geben, sogar eine Art gegenseitige Abhängigkeit.

Die Bedeutung des Gedichts liegt wohl in seinen humoristischen und parodistischen Elementen. Es scheint eine ironische Sicht auf die Beziehung zwischen Mensch und Tier und auf die Einschränkungen und Freuden der Gefangenschaft zu geben. Möglicherweise könnte auch ein Kommentar zur menschlichen Natur abgelesen werden, durch die Darstellung, wie das lyrische Ich sich zu dem Käfer verhält.

Das Gedicht besteht aus fünf Strophen mit unregelmäßiger Verszahl, was typisch für den Stil von Ringelnatz ist. Die Sprache ist sehr direkt und verwendet einfache Alltagsworte. Es gibt jedoch einige Wortspiele und humorvolle Verbindungen, wie den Namen „Goldhenne“ für den Käfer und den Vorschlag, ihn zu „Bettpfannkuchen“ zu machen, was den humoristischen und skurrilen Charakter des Gedichts unterstreicht. Der Rhythmus und das Reimschema sind eher frei, was ebenfalls zum losen, humoristischen Stil des Gedichts beiträgt.

Insgesamt ist dieses Gedicht ein gutes Beispiel für den Humor und den unkonventionellen poetischen Stil von Joachim Ringelnatz, und es reflektiert seine ungewöhnliche Sicht auf die Welt und die Beziehungen zwischen Mensch und Natur.

Weitere Informationen

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um das Gedicht „Entomologische Liebe“ des Autors Joachim Ringelnatz. Der Autor Joachim Ringelnatz wurde 1883 in Wurzen geboren. 1929 ist das Gedicht entstanden. Erscheinungsort des Textes ist Berlin. Aufgrund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors kann der Text den Epochen Moderne oder Expressionismus zugeordnet werden. Bei dem Schriftsteller Ringelnatz handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen. Das vorliegende Gedicht umfasst 104 Wörter. Es baut sich aus 5 Strophen auf und besteht aus 20 Versen. Joachim Ringelnatz ist auch der Autor für Gedichte wie „Abglanz“, „Abschied von Renée“ und „Abschiedsworte an Pellka“. Zum Autor des Gedichtes „Entomologische Liebe“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 560 Gedichte vor.

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