Enge Künstlerschaft von Joachim Ringelnatz

Sie wissen alle was, was sie nicht sagen,
Was sie nach ihrer Meinung vorwärtstrug.
Sie nützen ihren engen Weg und wagen
Nicht, wissen nichts vom freien Flug.
 
Als wär nicht Raum genug in Welt und Leben,
Wo alle echten Menschen Künstler sind.
Und wäre doch mit dem konträren Wind
Jedem ganz unerschöpflich viel gegeben.
 
Ihr Lachen schwitzt, ihr Stürmen ist ein Schleichen.
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Untereinander hocken sie vertraut
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Und tuscheln gegen Außenseiter laut,
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Derweil sie selber giftig sich vergleichen.
 
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Kristallisiert zum legitimen Grüppchen
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Wird ihr Charakter plötzlich fest bestimmt.
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Von ihren Idealen bleibt ein Süppchen,
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Darin ein Titel oder Goldnes schwimmt.
 
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Sie pochen all auf was, was gar nicht klingt,
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Obwohl es hohl ist. Dennoch nehmen
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Sie and’re auf, dich wieder nur bedingt,
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Die Kleinen oder Großen, doch Bequemen.
 
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Und könnte doch für sie und jedermann
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Alles so anders und so herrlich sein.
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Man kann – (Um Himmels willen: Nein!)
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Es gibt gar kein „Man kann“.
 
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Es gibt ein „Manko“, gibt ein „Mannequin“,
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Ein „Monkey“ – – aber das ist kein Dessin.
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Es furzt ein Ulk. Der Teufel lupft den Steert.
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Und mehr ist jene Gruppe gar nicht wert.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26 KB)

Details zum Gedicht „Enge Künstlerschaft“

Anzahl Strophen
7
Anzahl Verse
28
Anzahl Wörter
185
Entstehungsjahr
1928
Epoche
Moderne,
Expressionismus

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Enge Künstlerschaft“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Joachim Ringelnatz. Ringelnatz wurde im Jahr 1883 in Wurzen geboren. Entstanden ist das Gedicht im Jahr 1928. Der Erscheinungsort ist Berlin. Anhand der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. von den Lebensdaten des Autors her kann der Text den Epochen Moderne oder Expressionismus zugeordnet werden. Bei Ringelnatz handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epochen. Das Gedicht besteht aus 28 Versen mit insgesamt 7 Strophen und umfasst dabei 185 Worte. Joachim Ringelnatz ist auch der Autor für Gedichte wie „Abendgebet einer erkälteten Negerin“, „Abermals in Zwickau“ und „Abgesehen von der Profitlüge“. Zum Autor des Gedichtes „Enge Künstlerschaft“ liegen auf unserem Portal abi-pur.de weitere 560 Gedichte vor.

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