Von acht Rossen von Ferdinand Freiligrath

Fährt im Land 'ne Staatskarosse;
Ziehn sie acht famose Rosse,
Feurig, ein beherzt Gespann!
Eines ward am Rhein geboren,
Hebt das Haupt und spitzt die Ohren,
Zieht vor allen mutig an.
 
Beißt ein andres in die Stange,
Wo der Fischer mit Gesange
Froh den goldnen Bernstein fischt;
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Kräftig schnaubt es mit den Nüstern.
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Die es lechzend in den düstern
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Ostseewellen sich erfrischt.
 
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Ist das dritte aufgewachsen
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In dem guten Lande Sachsen,
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Tritt den Boden fest und stark.
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Dies hier stammt aus Schlesiens Talen,
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Jene zwei sind aus Westfalen
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Und der Brandenburger Mark.
 
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Seht alsdann mit breitem Nacken
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Noch den Pommern und Polacken
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Auch ein derb und stattlich Paar!
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Also ziehn die acht trotz einem;
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Frisch und mutig - doch an keinem
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Ist auch nur ein falsches Haar!
 
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Wollt' es glauben nur der Lenker!
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Doch der denkt: »Hol' euch der Henker!
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Immer mehr schwillt euch der Kamm!
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Wahr ist's, ihr seid brav und wacker!
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Doch ein paar von euch sind Racker!«
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Hält somit die Zügel stramm.
 
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Tönt herauf zu ihm ein Schnauben,
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Spricht er: »Was sich die erlauben!«
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Ruckt mit Zürnen am Gebiß.
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Schallt ein Huf recht dreist metallen,
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Gleich erregt es sein Mißfallen
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Ja doch, es gefällt ihm miß!
 
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Wollen sie sich eines neuen
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Peitschenreglements nicht freuen
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Ei, wie straft sie da sein Pfiff!
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Ei, wie fällt ihm da vom Munde
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Ander Wort, als zu der Stunde,
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Drin die Zügel er ergriff!
 
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Wolln mit ehrerbiet'gem Wiehren
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Flehn sie oder Klage führen,
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Solches gilt als Schabernack!
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Vollends wird der Stab gebrochen
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Über gar ein zweites Pochen
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Um denselben Habersack!
 
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Ziehn darum, die gerne flögen,
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Stolz und brausend gern ihn zögen,
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Langsam jetzo sein Gefähr!
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Stets des rechten Vorwärts harrend,
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Stampfend nicht, doch dafür scharrend
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In der Stille desto mehr!
 
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Immer ruhig, immer sachte,
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Ihr getreuen, lieben Achte!
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Eines glaubt und bleibt dabei:
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Steckt der Karrn einmal im Drecke,
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Hui, dann geht es rasch vom Flecke,
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Und die Zäume fliegen frei!

Details zum Gedicht „Von acht Rossen“

Anzahl Strophen
10
Anzahl Verse
60
Anzahl Wörter
319
Entstehungsjahr
1844
Epoche
Junges Deutschland & Vormärz

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Von acht Rossen“ stammt aus der Feder des Autoren bzw. Lyrikers Ferdinand Freiligrath. 1810 wurde Freiligrath in Detmold geboren. Das Gedicht ist im Jahr 1844 entstanden. Die Entstehungszeit des Gedichtes bzw. die Lebensdaten des Autoren lassen eine Zuordnung zur Epoche Junges Deutschland & Vormärz zu. Bei dem Schriftsteller Freiligrath handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das 319 Wörter umfassende Gedicht besteht aus 60 Versen mit insgesamt 10 Strophen. Ferdinand Freiligrath ist auch der Autor für Gedichte wie „Eispalast“, „Freie Presse“ und „Springer“. Zum Autoren des Gedichtes „Von acht Rossen“ haben wir auf abi-pur.de weitere 59 Gedichte veröffentlicht.

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