Einigkeit von Theodor Fontane

Kein Jubel mehr! die Freude sei bemeistert
Ob deutschen Sinn’s und deutscher Einigkeit;
Es gilt nicht viel, wenn sich ein Volk begeistert
In unsrer krankhaft-überreizten Zeit.
Was Ihr gesehn – des Mitleids frommes Walten
Erlöst noch lang vom alten Fluch uns nicht,
Und unsre Heimath ist und bleibt zerspalten,
Bevor uns nicht ein festres Band umflicht.
 
Begeistrung! ja, bei Gott, auf allen Gassen
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Und aller Orten macht sie jetzt sich breit,
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Und wessen Herz sich will begeistern lassen,
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Der eile sich – jetzt ist die rechte Zeit,
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Es ist die Zeit, wo sich die deutsche Jugend,
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Unwürdig, vor den Künstlerwagen spannt;
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Sie stempelt auch die Mode ’mal zur Tugend,
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Und schwärmt für Einigkeit im Vaterland.
 
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Ach, Einigkeit! die Liebe kann sich regen
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In einem Herzen, das der Haß verzehrt,
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Es schlägt dem Feinde zornentbrannt entgegen,
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Und hält ihn dennoch seines Mitleids werth.
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Wer hat von Euch die namenlosen Schmerzen
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Zerschossner Feinde frohen Muth’s erblickt?
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So hassenswerth lebt nie der Haß im Herzen,
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Daß er des Mitleids Stimme selbst erstickt.
 
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Nein, soll die Zukunft uns ein Deutschland bringen,
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Da gilt es mehr als eine milde Hand,
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Da gilt’s ein muthig Ringen und Bezwingen,
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Ein Frühlingswehn durch’s ganze deutsche Land.
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Wenn überall der Freiheit Banner rauschen,
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Und kein bedrücktes Volk um Rettung schreit,
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Dann will auch ich die Zweifel froh vertauschen,
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Und gläubig baun auf Deutschlands Einigkeit.
Arbeitsblatt zum Gedicht
PDF (26.4 KB)

Details zum Gedicht „Einigkeit“

Anzahl Strophen
4
Anzahl Verse
32
Anzahl Wörter
227
Entstehungsjahr
1851
Epoche
Realismus

Gedicht-Analyse

Das Gedicht „Einigkeit“ stammt aus der Feder des Autors bzw. Lyrikers Theodor Fontane. Im Jahr 1819 wurde Fontane in Neuruppin geboren. Das Gedicht ist im Jahr 1851 entstanden. In Berlin ist der Text erschienen. Auf Grund der Entstehungszeit des Gedichtes bzw. der Lebensdaten des Autors kann der Text der Epoche Realismus zugeordnet werden. Bei Fontane handelt es sich um einen typischen Vertreter der genannten Epoche. Das Gedicht besteht aus 32 Versen mit insgesamt 4 Strophen und umfasst dabei 227 Worte. Die Gedichte „Alles still!“, „Am Jahrestag“ und „An Bettina“ sind weitere Werke des Autors Theodor Fontane. Zum Autor des Gedichtes „Einigkeit“ haben wir auf abi-pur.de weitere 211 Gedichte veröffentlicht.

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